Schon klar, wir leben in Zeiten, wo der soon-to-be-Präsident der USA „just grab them by the pussy!“ konsequenzenlos in den Äther tönen kann und es hip ist, Feministinnen zu hassen. Sich da über „Pickup-Artists“ zu ereifern, die sich rühmen, mit gezielten Manipulationsstrategien jede Bitch über die Bettkante biegen zu können, ist, als würde man eine Salami in den Hausflur schmeißen. Aber hey, irgendwo muss man ja anfangen! Und überhaupt: Vielleicht sind Pickup-Artists (also „Profi-Aufreißer“) ja gar nicht so schlimm, sondern tun den eroberten Frauen sogar was Gutes? Die Frage ist doch: Nach welchen Methoden gehen PUAs überhaupt vor? Sind das wirklich diese misogynen Schweinesäue, die alles angrabbeln, was nicht bei Drei auf dem Baum ist? So viel sei gesagt: Mir ist bei der Recherche ein bisschen Kotze hochgekommen.

Eine 8,5 von 10 | Quelle: Ivan Obolensky @Pexels

Eine 8,5 von 10 | Quelle: Ivan Obolensky @Pexels

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Sex ist eine spaßige Sache und muss nicht in einer Beziehung stattfinden. Wer Bock hat, sich einen unverbindlichen One-Night-Stand aus der Disco mitzunehmen, der soll das machen. Selbstwusste Frauen und Männer, die wissen, was sie (nicht) wollen, sind eine attraktive Sache. Keine Frage.

Aber PUAs geht es nicht in erster Linie um einen kleinen Fick auf Augenhöhe.

Quelle: martin-munch @flickr

Quelle: martin-munch @flickr

Das ganze Prinzip „Pickup“ baut auf zwei Säulen auf: 1. Gezielter Manipulation und 2. der Annahme, dass alle Frauen kategorisierbar sind; sprich alle gleich ticken. Für einen „Alphamann“ ist es dann (angeblich) ein Leichtes, die Frau auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten, ihr den passenden „Opener“ ins Öhrchen zu säuseln und sie abzuschleppen. Ja, genau. Übrigens: Die Anleitung der PUAs soll am besten bei „Frauen“ zwischen 20 und 25 Jahren funktionieren. Ach!

Deswegen, Mädels, wenn euch ein „Mann“ auf eine dieser drei Arten anspricht, bzw. behandelt, dann habt ihr es wahrscheinlich mit einem Pickup-Artist zu tun. Entscheidet selbst, ob euch die Sache das dann noch wert ist.

 

Trick 1: Der Bauerntod

Immer einen Zug voraus - Pick Up Artists | Quelle: George Becker @Pexels

Immer einen Zug voraus – Pick Up Artists | Quelle: George Becker @Pexels

Die Bauerntod-Taktik funktioniert wie beim Schach: Opfere eine Spielfigur, um den Gegner aus der Reserve zu locken (Ja, Frauen sind für den PUA „Gegner“ – sagt auch schon so ein bisschen was aus). Heißt im Klartext: Möchtergern-PUAs wird geraten, sich in einer Disco ein optisch gerade einmal annehmbares Mädel zu suchen und sie um den Finger zu wickeln. Fühlt sie sich geschmeichelt (und das wird sie, weil sie ja sonst keiner anguckt) und folgt dem PUA durch die Partylocation, folgt Phase 2 seines Plans: Er nähert sich dem eigentlichen Objekt seiner Begierde (Typ Victoria’s Secret-Model) und bittet sie, ihm zu helfen, das hässliche Entlein loszuwerden – am besten, indem sie mit ihm tanzt oder sich von ihm einen ausgeben lässt. Die Gefühle der ersten Eroberung? Nur ein Kollateralschaden!

Trick 2: Freeze Out

Quelle Miss A. @flickr

Quelle Miss A. @flickr

Du bist mit einem Mann nach Hause gegangen und überlegst es dir vor dem Sex doch nochmal anders? So hat der Pickup-Artist sich das aber nicht vorgestellt! Die Freeze Out-Methode eignet sich, laut PU-Bibel hervorragend dazu, die Unwillige so zu manipulieren, dass sie einer kleinen Vögelei doch noch zustimmt, auch wenn sie sich nicht wohl dabei fühlt. Also Mädels, wenn ihr vor dem Geschlechtsakt „Nein!“ sagt und der Typ euch plötzlich gezielt die kalte Schulter zeigt, überlegt zweimal, ob ihr darauf einsteigen wollt. Desinteresse vorzuspielen um die Frau doch noch in die Kiste zu kriegen, ist nämlich einer der beliebtesten PU-Tricks.

Trick 3: Push and Pull

Ooooooh, der Lieblingstrick der Pickup-Artists! Er basiert, grob gesagt, auf dem reichlich blöden Spruch: „Was sich neckt, das liebt sich.“ Die meisten Frauen haben diesen Quatsch in ihrem Leben schon so oft gehört, dass sie noch im Erwachsenenalter glauben, kacke behandelt zu werden sei ein Zeichen männlicher Zuneigung. Dödöm.

... äh, ja | Quelle: Der Anna-Code

… äh, ja | Quelle: Der Anna-Code

Beim Push and Pull lässt der PUA also gezielt fiese Kommentare fallen, die absichtlich etwas zu sehr unter die Gürtellinie gehen. Bevor sein Opfer empört das Weite sucht, schießt er schnell ein Kompliment hinterher, das „alles wieder gut“ macht. Weil: Alle Frauen stehen ja auf Arschlöcher.

Soll das jetzt heißen, dass man unter gar keinen Umständen mit einem selbstbewussten Abschlepper nach Hause gehen darf, auch wenn man das möchte?

Quelle: Pexels

Quelle: Pexels

Natürlich nicht. Ich sage nicht, dass man mit einem PUA keinen Spaß haben kann – ich finde es nur daneben, wenn jemand versucht, mich in die Kiste zu manipulieren. Deswegen kann es nicht schaden, die Methoden zu kennen. Denn wenn man die Spielregeln durchschaut, sinken die Chancen, beim „Game“ gnadenlos abgezogen zu werden. Man vögelt wieder auf Augenhöhe. Denn, mal ehrlich: Wie „alpha“ kann ein Mann schon sein, wenn er es nötig hat, einem das Blaue vom Himmel zu lügen, um interessant zu erscheinen?
Eben.

Titelbild: Neto Baldo @flickr