Lisette ist acht Jahre alt und liegt weinend und nackt auf dem Küchenboden. Ihre Tanten halten sie gewaltsam fest, damit sie nicht entkommen kann. Ihre Mutter holt die heißen Steine aus dem Feuer und packt sie ohne zu zögern auf Lisettes Brüste. Ein schmerzvoller Schrei erfüllt die Küche. Lisette fleht ihre Mutter an, aufzuhören, doch diese beginnt damit, ihre Brust mit den heißen Steinen zu massieren. Was für Lisette unvorstellbare Schmerzen sind, ist für ihre Mutter eine Schutzmaßnahme. Wovor diese Frauen ihre Töchter schützen wollen und mit welchen schrecklichen Folgen diese Mädchen hinterher zu kämpfen haben, lest ihr jetzt.

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Mit Reizen geizen.

Für Frauen in Kamerun gilt: Brüsten ziehen Männer an. Der Kontakt zu Männern führt dann zu ungewollter Schwangerschaft, Schulabbruch und frühe Ehen. Frauen ohne Schulabschluss haben keine Zukunft. Und um ihre Töchter vor genau diesem Schicksal zu bewahren, „bügeln“ Mütter ihren Töchtern mit erhitzen Gegenständen wie Steinen, Kernen oder Stößeln ihre Brüste „flach“. Sie hoffen, dass das Fett im Brustgewebe schmilzt und die Brust nicht bzw. langsam wächst.

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Wenn Mama eigentlich das Beste wollte…

Besonders in Großstädten Afrikas ist diese Art der Vorbeugung weit verbreitet. Denn anders als in kleinen Dörfern unterliegen diese Kinder nicht der sozialen Kontrolle. So fürchten die Mütter, dass ihre Töchter zu früh sexuelle Erfahrungen machen, sodass sie zu solchen Maßnahmen greifen. Es gibt auch „Heilerinnen“, die diese Mütter bei dieser Prozedur unterstützen. Doch mit dieser Maßnahme traumatisieren sie ihre Mädchen bloß.

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Hast’s geholfen?

Nein! Viele Mädchen leiden nach all den Jahren immer noch stark. Sie haben Berührungsängste und ein stark gemindertes Selbstwertgefühl, denn sie verstecken sich und schämen sich für ihren Körper. Durch die jahrelange Brustverstümmelung ihrer Mütter wurde das Brustgewerbe geschädigt, sodass die Brüste stark hängen. Neben lebenslangen psychischen Problemen, können auch schwerwiegende Krankheiten wie Zysten oder Krebserkrankungen die Folge sein.

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Schmerz für noch mehr Schmerz

Mädchen deren Brüste im frühen Alter verstümmelt wurden, haben später Schwierigkeiten ihre Babys zu stillen. Das ist besonders in Afrika ein großes Problem, da diese Mütter nicht die Möglichkeit haben, auf Fläschchen und Milchpulver zurückzugreifen. Einzige Alternative: Sie lassen sind von bestimmten Ameisen beißen, damit ihre Milchproduktion anregt wird.

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Geschenk Gottes

„Bügele keine Brüste, sie sind ein Geschenk Gottes.“

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Weltweit sind 3,8 Millionen Frauen davon betroffen. Aber es gibt bereits Aufklärungskampagnen gegen die Praxis, die von der NGO durchgeführt werden. Die Hilfsorganisation RENATA appelliert außerdem, Verhütungsmittel zu nutzen, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Viele Frauen, die damals als Kind verstümmelt wurden, setzen sich heute dagegen ein, damit keine Mädchen sich jemals für ihren Körper schämen müssen.

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