Die kleine Liv rutscht unruhig auf dem Beichtstuhl hin und her. Die Vierzehnjährige weiß nicht, ob sie davon erzählen soll. „Liegt dir noch was am Herzen?“, fragt der Pfarrer. Liv fasst ihren ganzen Mut zusammen. „Der beste Freund von Papa hat mich letztes Mal mit zum Angeln genommen. Da hat er mich…schon wieder angefasst. Da unten…“. Stille. Gerade als Liv glaubt, etwas Falsches gesagt zu haben, räuspert sich der Pfarrer. „Dann sage mir Kind: Hat es dir gefallen?“

In diesem Artikel geht es nicht nur um Liv, den Freund ihres Vaters oder den Pfarrer, sondern um ein ganzes Dorf, was unter Verdacht steht. Seit Jahrzehnten sollen dort sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung stehen – doch warum tun weder Opfer noch Wissende etwas dagegen? Das alles erfahrt ihr jetzt.

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Zwischen Täter und Opfer

Das 2.000 Einwohner-Dorf Tysfjord nördlich von Norwegen bietet den Schauplatz des Grauens. Statt gemütlicher Dorfidylle prägen erschreckende Horrorszenen den Alltag der Dorfbewohner. Über Jahre werden die Dorfbewohner missbraucht und vergewaltigt. Und das meist von Freunden und Familienmitgliedern. Die Opfer sind vier bis 75 Jahre alt. Hier kennt nicht nur jeder jeden, sondern hier wird jeder von jedem missbraucht…!

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Die Macht der Medien.

Aber wieso kamen diese Verbrechen erst jetzt ans Tageslicht? Schließlich gab es elf Anzeigen von Männern und Frauen über Missbrauch. Erst durch die Zeitung „Verdens Gang“ wurde der Stein ins Rollen gebracht. Sie berichtete nämlich von Missbrauchsopfern und ihren Fällen im Dorf. Erst nach der Veröffentlichung im Sommer 2016 nahm die Polizei erste Ermittlungen auf und stieß dabei auf unglaubliche Zahlen: 151 Fälle, 82 Opfer und 92 Verdächtige.. Vorher passierte gar nichts!

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Kein Vertrauen

Der erste Missbrauchsfall fand bereits 1953 statt. Fast über 60 Jahre wurden diese Verbrechen totgeschwiegen. Warum? Der Großteil der Opfer und Täter sollen streng gläubige Samen (Ureinwohner Skandinaviens) gewesen sein, die sehr abgeschottet leben. Statt sich den Behörden anzuvertrauen, haben sie lieber Beichten abgelegt. Aber auch Scham und Schmerz spielten bei vielen Opfern eine große Rolle. Schweigen um zu vergessen?

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Viel zu spät

Die Polizei entschuldigt sich und gibt zu, dass sie zu spät gehandelt hätte. Viel zu spät. Denn mittlerweile sind viele Verbrechen bereits verjährt. Die meisten Opfer waren damals 15 bis 16 Jahre alte Mädchen. Viele von ihnen sind tot oder fortgezogen, um alles hinter sich zu lassen. Das einzig Gute: Das lange Schweigen hat ein Ende. Hoffentlich finden die Opfer und jetzigen Dorfbewohner ihren Frieden.

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Quellenverweise:
rtlnext
süddeutsche.de
bild.de

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