Er lässt zwei Zuckerwürfel in seinen frisch gebrühten Kaffee fallen und rührt ihn langsam um. Dann steht er auf, geht mit seiner Tasse um den Tisch herum und bleibt vor Lorena, seiner Ehefrau, stehen. Sie sitzt still da, ihr Blick ist gesenkt. Schweigend kippt er ihr den heißen Kaffee über den Kopf. Lorena zuckt kurz zusammen, traut sich aber nicht zu schreien als der heiße Kaffee ihr Gesicht verbrüht. Dann drückt er plötzlich ihr Gesicht brutal auf den Tisch. „Aufwischen!“ brüllt er. „Heute extra mit Zucker, um dir den Tag zu versüßen,“ sagt er lachend und zündet sich eine Zigarette an. Das ist der Alltag für viele Frauen in Südamerika, besonders in Mexiko. Es herrscht in diesen Ländern eine Macho-Kultur. Eine Kultur, in der Männer sich einfach alles erlauben dürfen und sogar über das Leben und den Tod der Frauen bestimmen.

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Bis zu Unkenntlichkeit verstümmelt…

„Wenn Jesus eine Frau gewesen wäre, hätten sie ihn erst vergewaltigt und dann gekreuzigt.“

Die Frauenleiche ist kaum wiederzuerkennen. 62 Messerstiche, blaue Flecken und Spuren ausgedrückter Zigaretten zieren ihren leblosen Körper. Ihr Geschlecht ist komplett verstümmelt und zerfetzt. Folgen gewaltsamer Vergewaltigungen mehrerer Männer. Wenn Frauen getötet werden, dann mit einer Brutalität die jegliche Vorstellungskraft sprengt.

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Welthauptstadt des Femizids

Ciudad Juárez: In keinem anderen Ort der Welt werden so viele Frauen gefoltert und getötet wie in dieser mexikanischen Stadt. Seit 1990 herrscht dort die reinste Macho-Kultur. Mädchen und Frauen zwischen 13 und 25 Jahren werden einfach verschleppt. Sie gelten entweder ein Leben lang als vermisst oder werden irgendwann tot aufgefunden. Jährlich werden alleine in Lateinamerika über 2.000 Frauen auf diese Weise getötet. Nicht berücksichtig: Die ebenfalls erschreckend hohe Zahl der versuchten Frauenmorde.

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Erst Liebe, dann Tod.

35 % aller Frauentötungen werden von aktuellen oder ehemaligen Lebenspartner begangen. Der Staat fokussiert sich dabei nur auf den Mord und nicht auf die Tatsache, dass eine Macho-Kultur hinter diesen Tötungen steckt. Die Männer sind der Überzeugung, dass sie aufgrund ihres Geschlechts über eine höhere Machtposition verfügen und damit über Frauen bestimmen dürfen. Auch in Deutschland sterben auf diese Weise jährlich über 300 Frauen.

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To-Do-List: Kultureller Wandel

#NiUnaMenos. „Nicht eine (Frau) weniger“ übersetzt, ist der Hashtag mit denen sich die lateinamerikanischen Länder zusammentun und gegen die Frauenmorde demonstrieren. Unter ihnen sich auch Männer, die sich für die Zukunft ihrer Töchter stark machen wollen. Diese Demos sind der erste Schritt, um ein neues Bewusstsein zu schaffen, doch für eine grundlegende Veränderung, muss ein kultureller Wandel her. Die Erziehung und Bildung der Kinder spielen dabei eine entscheidende Rolle, damit sich die Werte der Gesellschaft in den nächsten 20 Jahren verändern können.

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