Es fängt ganz harmlos an, so wie es das immer tut. Da ist jemand, der sich um dich kümmert, jemand, dem deine Probleme nicht egal sind. Bei ihm fühlst du dich wohl, verbringst gerne Zeit mit ihm. Ab und zu möchte er zwar Dinge von dir, die du nicht so gerne tust, aber alles halb so wild. Das Problem: Er ist 40 und du 10. Wie und warum sich viele Pädophile mit ihren Opfern anfreunden und wieso Kinder auch noch ihre Freunde mit zu ihnen bringen, lest ihr jetzt: 

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Keine Brutalität, sondern Freundschaft!

Das Vorgehen bei dieser Art von Misshandlung ist ganz anders, als es sonst bei Kindesmissbrauch der Fall ist. Die Täter bauen sich ein Netzwerk aus minderjährigen „Freunden“ auf: Kinder die aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen und keinen Halt im Leben haben. Diesen Halt gibt ihnen der Pädophile … fürs Erste.

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379(!) Mal missbraucht. Der Fall Jens

Einer der schlimmsten Fälle der letzten Jahre ist der von Jens aus Berlin: 379 Mal soll er sich an unzähligen Jungen aus seiner Nachbarschaft vergangen haben. Sein System ist ebenso simpel wie ekelhaft: Er hat seine Opfer anfangs bei Jugendclubs und auf Spielplätzen einer Berliner Plattenbausiedlung aufgegriffen. Dabei trat er immer als Freund und Helfer auf. Er gab ihnen das, was ihre Eltern ihnen nicht geben konnten.
Die Nachricht macht bei den Kids schnell die Runde. Da gibt es diesen 40-Jährigen, der cool drauf ist, bei dem kann man abhängen, fernsehen und essen. Was nicht erzählt wird ist, was Jens als Gegenleistung will: (Auszug aus der Gerichtsverhandlung, Anwalt im Gespräch mit einem Opfer)

[…]
„Haben auch Sie sein Glied manipuliert?“
„Ja, er hat zu mir gesagt, ich soll ihn streicheln. Er hats vorgemacht. Hoch und runter. Ich habe es dann nachgemacht.“
[…]
„Hat er Geld dafür bezahlt?“
„Ja.“
„Wie viel?“
„20 oder 30 Euro, genau weiß ich es nicht mehr.“

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Das ist die Zeugenaussage eines der Kinder, die Jens missbraucht hat. Das Schema war immer dasselbe. Wenn man Jens befriedigte mit Hand oder Mund oder sonst wie, gab es Geld. Zwar konnte man auch ohne Sex bei ihm rumhängen, doch die meisten der Kinder waren verzweifelt genug, um die „gute“ Bezahlung anzunehmen.

 

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Die Schäden bleiben ein Leben lang

Werden die Kinder zu alt für die pädophilen Vorlieben des Täters, bittet er sie jüngere Freunde für ihn zu „besorgen“ indem sie sie zu ihm bringen. Jens wurde zum Glück gefasst, doch die Aufklärung solcher Fälle dauert meiste mehrere Jahre.

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