„Zieh dich nackt aus und stell dich ins Wohnzimmer!“, zwingt Madame ihr Hausmädchen mitten in der Nacht. Analyn ist erschöpft, denn sie ist seit fünf Uhr morgens wach. Dennoch zieht sie sich aus. Ihre Madame nähert sich ihr und packt sie an den Haaren. Brutal reißt sie Analyn die Haare vom Kopf. Immer wieder lässt sie neue Haarbüschel zu Boden fallen. Analyn schreit und fleht sie an aufzuhören. Warum ihre Madame ihr das antut? Vermutlich weil sie einfach schlechte Laune hat. Diesen grausamen Missbrauch erträgt Analyn schon seit Monaten. Sie ist ein Live-in Maid. Ein Hausmädchen, dass wie Billigware von einer Budget Maid Agentur in Singapur vermittelt wird. Wieso Analyn sich dazu entschied ein Live-in Maid zu werden und wieso sie nur schwer entkommen kann, lest ihr jetzt.

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Hausmädchen to-go

Budget Maids Agenturen findet man in Singapur überall. Denn es ist Standard ein Hausmädchen bei sich einzustellen. In diesen Agenturen werden die Live-in Maids wie Billigware vermittelt. Die Hausmädchen sitzen in den Agenturen dicht beieinander auf Bänken. Bereit zur sofortigen Mitnahme. Gefällt dir das Hausmädchen nicht, kannst du es jederzeit gegen ein Neues umtauschen. Die Frauen kommen aus Indonesien oder den Philippinen. Wer nicht schnell vermittelt werden kann, muss zurück.

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Arbeit ohne Limit

Von der Agentur gibt es keine festgelegten Arbeitsbedingungen zum Schutz ihrer Live-in Maids. Rund 300 bis 500 Euro bekommen die Hausmädchen monatlich. Soviel verdient ein Arzt oder Rechtsanwalt in ihren Heimatländern. Um für ihre Familie und ihre Kindern zu sorgen, werden sie zu Live-in Maids. Das Unfassbare: Vom dem Geld bekommen sie die ersten sechs Monate nichts, denn das geht direkt an die Agentur für die Vermittlungsgebühren. WTF ?!

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Alles moderne Sklaverei?

Es leben schätzungsweise 200.000 Hausmädchen in Singapur. Körperliche Übergriffe, Demütigungen und unmenschliche Arbeitszeiten von bis zu 20 Stunden täglich. Sie wohnen bei den Familien in kleinen Abstellräumen, haben keine Privatsphäre und nur wenig Freizeit. Die Arbeit können sie nur wechseln, wenn ihr Arbeitgeber ihnen die schriftliche Erlaubnis gibt. Tut er dies nicht, ist sie gezwungen bei ihnen weiterzuarbeiten. Fast wie Sklaverei.

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Deutsche Familie

Unter den Arbeitgebern sind auch ausgewanderte deutsche Familien. Auf die Frage, ob ihr Hausmädchen auch ins Gästezimmer einziehen könnte, statt in der Abstellkammer zu wohnen, antwortet diese deutsche Hausfrau:

„Ja, sie könnte ins Gästezimmer einziehen, aber wo tun wir unsere Gäste hin, wenn sie dann kommen? Und die Mietpreise hier sind so hoch, dass wir uns ein weiteres Zimmer nur für die Maid nicht leisten möchten.“ – Anna-Sophie, lächelnd.

Die Vorzüge eines Hausmädchens schamlos ausnutzen, aber sich kein zusätzliches Zimmer für sie leisten wollen. Einfach nur geschmacklos!

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Schutz bietet Home

Viele Frauen kommen an ihre körperlichen Grenzen und fliehen. Zuflucht finden sie in der Hilfsorganisation Home in Singapur. Da sie aus dem Arbeitsschutzgesetzen ausgeschlossen sind, ist es schwierig, die Arbeitsgeber zur Verantwortung zu ziehen. Dennoch versucht die Organisation schlimme Fälle vor Gericht zu bringen und den Frauen zu helfen.

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