Eine unbekannte Krankheit, ein plötzlicher Todesfall oder eine schlechte Ernte – solche Ereignisse können Frauen in Westafrika zum Verhängnis werden. Es braucht einen Schuldigen – und was liegt da näher als Hexerei? Was klingt, als wäre es aus dem Mittelalter, ist noch immer aktuell. Irgendwer schreit „Hexe!“, zeigt mit dem Finger auf eine der Frauen und schon beginnt der Albtraum. Sie werden bespuckt, geschlagen, gefoltert oder sogar getötet. Diese Frauen haben keine andere Wahl als ihre Kinder und ihren gesamten Besitz zurückzulassen und zu fliehen. Endstation Hexendorf. Warum solchen Frauen immer noch so viel Leid widerfährt, wieso ein Huhn über Leben und Tod entscheidet und wer eigentlich das endgültige Urteil fällt, erfahrt ihr hier.

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Sie ist schuld!

„Ich habe geträumt, dass sie schuld an dem Tod meines Bruders ist! Sie ist eine Hexe!“ schreit die Frau durch das ganze Dorf und zeigt auf ihre Schwägerin. Mit diesem einfachen Vorwurf hat sie das Leben einer weiteren Frau in Ghana zerstört. Im Westen Afrikas ist der Glaube an Hexerei tief in der Mentalität der Einwohner verankert. Die Hexenverfolgung ist dort eiskalt und brutal. Die Frauen werden vergiftet, verbrannt, ertränkt oder erdrosselt. Einzige Überlebenschance: Das Hexendorf.

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Wenn Aberglaube missbraucht wird.

Besonders Frauen missbrauchen diesen Aberglauben und beschuldigen aus Neid andere Frauen. Sie sind eifersüchtig auf das Leben und den Erfolg der Anderen. Aber auch Familienmitglieder beschuldigen sich gegenseitig, um das Erbe für sich zu beanspruchen. Ein ganz besonders unmenschlicher Schuldanlass: Dorfbewohner wollen die alten Frauen, die nicht mehr gebären und zu schwach für körperliche Arbeit sind, einfach nur loswerden.

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Beschuldigungen hin oder her – am Ende zählt das Urteil des Fetischpriesters. Dieses fällt er mit einem Ritual. Hierfür schneidet er den Hals eines Huhns auf und wirft dieses in einem hohen Bogen in die Luft. Landet das Huhn auf dem Rücken, wird die Frau freigesprochen. Landet das Huhn jedoch auf dem Bauch, ist die Frau schuldigt. Um ihre bösen Geister zu bändigen, muss sie ein Gemisch aus dem Blut den Huhns, Wasser und heiliger Erde trinken.

Nie wieder unschuldig.

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Frauen, die frei gesprochen werden, gehen selten wieder zurück in ihr Dorf. Denn wenn der Verdacht einmal ausgesprochen wurde, so hält diese Beschuldigung ein Leben lang an. Diese Frauen bleiben meistens in Hexendörfern, die in unzumutbaren Zustanden sind. Sie liegen fernab jeglicher Zivilisation, im tiefsten Ghetto Westafrikas. Diese Dörfer sind auf Hilfsorganisationen und Kirchenspenden angewiesen. Es fehlt diesen Frauen an Lebensmitteln und ganz besonders an medizinischer Hilfe, denn viele von ihnen sind durch die Verbannung und Folterung physisch und psychisch instabil.

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Warum dieser Aberglaube?

Besonders in Afrika sind wissenschaftliche Erklärungen nicht weit verbreitet, sodass bei unerklärlichen Ereignissen immer wieder auf alte Aberglauben zurückgegriffen wird. Eine treibende Kraft war damals die katholische Kirche im Mittelalter.

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Mittlerweile gibt es eine staatliche Sondereinheit, die solche Frauen beschützt. Wer andere der Hexerei beschuldigt, bringt diese Person in eine lebensgefährliche Situation und kann aufgrund dessen angeklagt werden. Ein erster wichtiger Schritt, der das Leben vieler Frauen und Mädchen schützen kann.

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