Was macht man, wenn die Eltern im Urlaub sind? Richtig! Eine Hausparty. Doch was bei uns früher harmloses Alkohol-Geschlürfe war, sind heute gangbang-ähnliche Sexpartys, auf denen sich die Jugendlichen über Stunden gegenseitig beglücken. Doch nur Sex reicht ihnen nicht, deshalb spielen sie dabei auch noch ein richtig krankes Spiel: HIV-Roulette. Die Regeln: Keine Kondome und mindestens einer der Teilnehmer hat Aids. Hört sich heftig an? Ist es auch. Denn der Verlierer des Abends geht infiziert nach Hause. Was wirklich bei diesen Partys abgeht, welche Hintergründe der lebensmüde Trend hat und was man dagegen tun kann, lest ihr jetzt.

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HIV positiv und zwar mit voller Absicht

Wie Hunde knien die jungen Frauen nebeneinander und bilden einen Kreis, während sie darauf warten, von den jungen Männern penetriert zu werden. Und zwar ohne Kondom. Genau da liegt ja der „Spaß“: Denn mindestens einer der Anwesenden ist HIV positiv. Wer es ist? Geheim. Die Angst vor der Krankheit turnt die Jugendlichen an. Es fließen Sekt, Champagner und Schnaps. Das Adrenalin versetzt die Gruppe in einen Rausch. Die Männer bemühen sich, nicht abzuspritzen, denn dann dürfen sie in der nächsten Runde nicht mehr mitspielen – beim lebensgefährlichsten aller Spiele: HIV-Roulette.

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Was für uns wie der Zusammenbruch der Welt zu sein scheint, ist für Jugendliche ein aufregendes Spiel. Insbesondere in Spanien sind die HIV-Roulette Partys (vor allem bei gut situierten Familien) äußerst beliebt. Und auch in Südamerika und Osteuropa stehen die Jugendlichen auf den Kick, möglicherweise AIDS zu bekommen. Angelehnt ist der Name des Spiels übrigens an „Russisch Roulette“: Ein Revolver wird mit nur einer Kugel geladen und es wird reihum abgedrückt.

Auf Verhütung wie Kondome oder Diaphragmen wird bewusst verzichtet.

Das Bizarre: Auf Verhütung wie Kondome oder Diaphragmen wird bewusst verzichtet. Oft werden Teilnehmer explizit nur dann eingeladen, wenn sie HIV positiv sind. Die Vorstellung, sich möglicherweise mit der Krankheit anzustecken, scheint ein besonderer Nervenkitzel zu sein. Die Orgasmen sollen durch die Möglichkeit sich mit der schweren Krankheit anzustecken noch intensiver werden. Der Tragweite ihrer Handlungen sind sich die Jugendlichen jedoch kaum bewusst.

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Wenn du nicht weißt, dass du mitspielst…

Es sollte nur ein netter Abend werden. Eine coole Hausparty mit schönen Menschen und viel Alkohol. Dann artet es aus, man macht mit, lässt sich von der Situation mitreißen – und versaut sich das ganze Leben. Immer wieder kommt es zu Ansteckungen oder Schwangerschaften von Jugendlichen, die nicht in die „Regeln“ des Spiels eingeweiht waren.

Blue pills sollen eine Ansteckung verhindern.

Bei diesen Partys kursieren allerlei Mythen um den HI Virus. Durch ominöse blaue Pillen (die eigentlich keine Wirkung haben) sollen auf manchen solcher Partys (sog. Blue Partys) eine Ansteckung verhindert werden. Ein schlechter Witz.

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Unheilbar krank – und das soll Spaß machen?

Für den HI Virus gibt es noch immer kein Gegenmittel und auch für die Krankheit AIDS, die durch den Virus ausgelöst werden kann, gibt es keine absolute Heilung. Zwar können dank der modernen Medizin die Viren in Schach gehalten werden und die Lebensdauer der Patienten verlängert werden, doch das garantiert noch lange kein beschwerdefreies Leben. Wie Jugendliche auf dieses unverantwortliche Verhalten kommen, ist auch Experten schleierhaft. Es widerspricht dem gesunden Menschenverstand, dass man für eine Nacht Spaß sein ganzes Leben aufs Spiel setzten will. Außerdem werden andere Teilnehmer, die möglicherweise nicht eingeweiht waren, gefährdet. Menschen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit anzustecken, fällt unter den Tatbestand Körperverletzung.

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Was tun?

Das Einzige, was diesen gefährlichen Trend eindämmen könnte, ist Aufklärung. Nur so kann man solche gefährlichen Spiele direkt im Keim ersticken. Und das ist dringend notwendig.

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