13. Stock eines Hochhauses in Südkorea. Das Fenster ist auf, weit auf. Eine Vietnamesin Ende 20 steht davor und erinnert sich an den Moment zurück, an den sie sich für dieses Leben entschieden hat. Alles begann in einem Hotel. Sie trug damals einen Bikini und präsentierte sich einer südkoreanischen Männerrunde. In ihrer Hand hielt sie ein Nummernschild mit der Nummer 38. Sie wurde vorgestellt: „Das ist Linh. Sie ist 21 Jahre alt.“ Nur ein Mann zeigte Interesse. Linh empfand damals sowas wie Glück. Sie wusste, sie würde ihn heiraten. Wer hätte ahnen können, dass sie diese Entscheidung später so bereuen würde? Wir sprechen von illegaler Heiratsvermittlung in Vietnam. Heiratswillige Frauen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben treffen auf alte Südkoreaner, die verzweifelt eine Ehefrau suchen. Wie es diesen Frauen ergeht und was sie alles in Kauf nehmen müssen, lest ihr jetzt.

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Dumme Fragen

Aus Liebe heiratet hier keiner. Was diese Menschen antreibt, ist Verzweiflung und Hoffnung. Denn Linh hoffte auf ein besseres Leben fernab von Armut. Heute hatte Linh ihren Zukünftigen kennengelernt und morgen würde sie ihn heiraten. Die Männer suchen aus, aber die Frauen dürfen ablehnen. Doch daran dachte Linh nicht. Ihr lag nur eine Frage am Herzen: „Darf ich in Südkorea arbeiten?“ Die tadelnde Antwort der Heiratsvermittlerin: „Stell keine so dummen Fragen.“

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Sie können ihren Frauen nicht mehr das Wasser reichen!

Warum das ganze Theater? Mit der Entwicklung Südkoreas haben sich auch die Südkoreanerinnen weiterentwickelt. Sie wollen Karriere machen und sind in vielen Bereichen ihres Lebens anspruchsvoller geworden. Viele Südkoreaner haben deswegen Schwierigkeiten eine Frau zu finden und weichen ins Ausland aus. Sie buchen sich bis zu 15.000 Euro teure Heiratstouren für vier Tage in der Hoffnung schnell fündig zu werden.

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Ab heute bist du Koreanerin.

Bevor Linh zu ihrem Ehemann nach Südkorea ziehen durfte, vergingen Monate. In diesen Monaten musste sie koreanisch sprechen sowie kochen lernen und sich mit der koreanischen Tradition und Kultur auseinandersetzen. Sie musste ihre alten Gewohnheiten ablegen und ihr bisheriges Leben so wie sie es mit ihren Eltern gelebt hatte, vergessen.

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Bye bye Armut, hallo Hölle!

Über 50.000 vietnamesische Heiratsimmigranten leben in Südkorea und jedes Jahr werden es mehr. Aber das Leben dort ist nicht unbedingt besser. Zweck-Ehen haben selten ein Happy End. Das weiß Linh jetzt. Viele ihrer Freundinnen teilen ihr Schicksal, denn auch sie sind aus Vietnam nach Südkorea ausgewandert.

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Einige ihrer Freundinnen wurden sogar von ihren südkoreanischen Ehemännern zu Tode verprügelt, andere hielten die häusliche Gewalt und Erniedrigung einfach nicht mehr aus und erhängten sich am Valentinstag. Und auch Linh muss sich tagtäglich fragen: „Springe ich oder halte ich es noch einen Tag länger aus?“

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