Es fing damit an, dass die kleine Marie* häufig stolperte. Ihre Sehkraft verschlechterte sich. In der Schule kam sie nicht mehr mit. Der Auslöser für diese Probleme? Eine Maserninfektion. Marie war nicht geimpft und im Alter von einem Jahr an Masern erkrankt. Über Jahre begannen die Viren unbemerkt, sich in ihrem Gehirn einzunisten und es langsam zu zerstören. Mit sieben Jahren wurde sie zum Pflegefall. Ein Jahr später war sie tot. Gestorben an Masernviren. Der Arzt des kleines Mädchens nimmt ihren Fall als negatives Fallbeispiel, um Eltern zu warnen. Denn, leider ist Maries Schicksal kein Einzelfall: Tausende Eltern entscheiden sich sogar bewusst dafür, ihren Kindern Impfungen zu verweigern und nehmen so auch ihren Tod in Kauf. Sie nennen sich Anti-Vaxxer! Was in den sektenähnlichen Facebook-Communities abgeht, ob Impfungen wirklich so gefährlich sind und wieso Eltern so extrem egoistisch drauf sind, lest ihr hier. 

 

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Die Anti-Vaxx-Bewegung (von eng. vaccine= Impfung) hat ihre Ursprünge in den USA, ist mittlerweile aber weltweit verbreitet. So auch in Deutschland. Anhänger der Bewegung sind regelrecht davon besessen, ihre Kinder möglichst „natürlich“ aufzuziehen. Dazu gehört vor allem: Das Kind von Impfstoffen und notwendigen Check-Up-Untersuchungen fernzuhalten. Das Risiko, das eigene Kind zu verlieren wird absolut in Kauf genommen: In den USA wurde 2016 ein Ehepaar, das der Anti-Vaxx-Bewegung angehört, zu insgesamt 4 Monaten Gefängnis- und 5 Jahren Bewährungsstrafe verurteilt. Wieso? Ihr Sohn verstarb an einer Hirnhautentzündung, weil die Eltern ihm medizinische Hilfe verweigerten. Sie behandelten die tödliche Krankheit mit Hausmittelchen und sahen es nicht ein, einen Arzt aufzusuchen.

Krank durch Impfungen darf ein Kind auf keinen Fall werden, aber sterben, weil es nicht geimpft und behandelt wurde, ist schon okay. Äh…hallo?!

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Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jedes Jahr 1,5 Millionen Kinder an Krankheiten sterben, gegen die es eigentlich Impfungen gibt. Eine Tatsache, die Ärzte weltweit fassungslos macht und an Unverantwortlichkeit nicht zu überbieten ist. Wie widerlich diese Eltern auf Kosten ihrer Kinder agieren, zeigt diese Aussage einer religiös verblendeten Anti-Vaxx-Verfechterin:

„Krankheit kommt vom Teufel, vom Bösen. Aber wenn du auf den Herrn vertraust, wird sie dich nicht treffen.“

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Anti-Vaxxer sehen in Impfungen eingebildete Risiken. Kinder sollen durch Impfungen geschwächt werden und sogar Autismus bekommen. Diese Behauptungen konnten bisher nicht untermauert werden, aber das ist passionierten Anti-Vaxxern herzlich egal.

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Durch diesen beunruhigenden Trend entstehen auch Gefahren für Unbeteiligte. Aber dass ihre Kinder in Schulen und Kindergärten andere anstecken, interessiert Anti-Vaxxer nicht wirklich. Sie verteidigen ihre Haltung trotzdem.

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Eltern, die die Bewegung verlassen haben, berichten von sektenartigen Zuständen bei den Nicht-Impfern. Sie organisieren sich im Internet und tauschen sich dort über ihre Ansichten aus. Die größte Facebook-Gruppe der deutschen Anti-Vaxxer hat übrigens knapp 13.000 Mitglieder. Sobald jemand die Gruppe verlässt und wieder zur Vernunft kommt, wenden sich alle Mitglieder der Gruppe von ihm ab. Es bleibt zu hoffen, dass dieser kranke Trend bald ausstirbt und nicht noch mehr Kinderleben einfordert. Zurzeit sieht es leider nicht danach aus: In Deutschland und den USA gibt es nach wie vor keine gesetzlich vorgeschriebene Impfpflicht für alle.

 

* Name geändert

Quellenverweise:
Independent
Welt.de / N24
CBC
AmericaBlog
Zeit.de
VoicesForVaccines.org
Zeit.de

(Symbolfoto) Photo credit: Fotolia