Als Frau hat man in Indien nicht viel zu melden – und schon gar nicht eine Vergewaltigung. Dass das Gesetz selten auf ihrer Seite ist, lernen kleine Mädchen hier schon sehr früh. Was auch der jüngste Fall zeigt, der weltweit für Schlagzeilen sorgte: Vergewaltigt und geschwängert vom eigenen Stiefvater sehen ein zehnjähriges Mädchen und dessen Mutter nur einen Ausweg – Abtreibung! Logisch, mit zehn Jahren ist man nun wirklich noch nicht bereit für diesen ganzen Mutterschaftswahnsinn. Vater Staat teilt da allerdings etwas andere Ansichten und verbietet das Vorhaben schlicht per Gesetz. Alles zu diesem abartigen Fall und zum absurden Geflecht aus Regeln und Normen indem sich Indiens Frauen bewegen, erfährst du hier.

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Es ist der Albtraum einer jeden Mutter: Die Vergewaltigung des eigenen Kindes. Während sie ihrer Arbeit nachging, erlebte die Tochter im vermeintlich sicheren Zuhause die Hölle auf Erden. Wie hätte die Frau auch ahnen sollen, dass ihr Ehemann sich in dieser Zeit an der Zehnjährigen verging? Das Mädchen ist seither stark traumatisiert, spricht nicht und ist schwanger. Das Ergebnis dieser Qualen zu behalten, kam für die Familie nicht in Frage. Die Mutter fasste all ihren Mut zusammen und zog vor Gericht – mit Erfolg! Das Mädchen darf aufgrund der besonderen Umstände den Fötus abtreiben, obwohl dies eigentlich gegen indisches Recht verstößt, denn die gesetzte Frist von 20 Wochen war bereits um wenige Tage überschritten. Doch selbst in der patriarchischen Welt Südasiens wird ab und zu zu Gunsten des weiblichen Geschlechtes entschieden.

Töchter = Finanzieller Ruin.

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Söhne bevorzugt

Tatsächlich sind in Indien Abtreibungen ab der 20. Schwangerschaftswoche verboten, um das weibliche Geschlecht vor dem Aussterben zu bewahren. Zum Vergleich: In Deutschland gilt die 14. Woche als Grenze. Diese Großzügigkeit Indiens ist leicht zu erklären – dem Land gehen die Frauen aus. Schuld daran ist die Tradition der Mitgift, die viele Familien in den finanziellen Ruin stürzt. Zwar ist diese seit 1961 gesetzlich untersagt, doch interessiert das die traditionsbewussten Inder eher wenig. Während Söhne also mit einer leuchtenden Zukunft gesegnet sind, kosten Töchter Unmengen an Geld. Mitgiftstreitigkeiten führen in Indien immer häufiger dazu, dass Frauen misshandelt, vertrieben oder getötet werden. Und um all dem vorab aus dem Weg zu gehen, werden weibliche Föten auch weiterhin im großen Stil abgetrieben.

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Volkssport Vergewaltigung

In der großen ländlichen Gesellschaft Indiens werden Frauen als Objekte angesehen, als Körper für das männliche Vergnügen. Laut neusten Hochrechnungen wird dort alle 20 Minuten eine Frau vergewaltigt. Frauen gelten nur als menschliche Wesen, wenn sie für ihr gegenüber die Rolle der Mutter, Tochter, Schwester oder Ehefrau erfüllen. Dieses mittelalterliche Frauenbild und die damit einhergehende Geringschätzung sind fest im Denken der Bevölkerung verwurzelt. Öffentliche Vergewaltigungen von Frauen als Bestrafung für deren Männer oder Brüder sind in den Dörfern Indiens nicht selten. Zudem werden die meisten Verbrechen gegen Frauen aufgrund der stark verbreiteten Korruption einfach unter den Teppich gekehrt.

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Tradition oder Freiheit?

Frauen- und Menschenrechtsorganisationen kämpfen seit Jahren gegen dieses Unrecht. Doch jedes Problem ist mit einem weiteren tief verwurzelt. Allerdings steigt das weltweite mediale Interesse und immer wieder wird groß über diese Art von Verbrechen berichtet. Auf Vergewaltigung steht in Indien mittlerweile die Todesstrafe – zur Abschreckung. Doch ändern tut das wenig. Während die Menschen in den Hauptstädten aufgeschlossen reagieren und gegen all dieses Grauen auf den Straßen protestieren, bleibt die Landbevölkerung ihren Traditionen auf Kosten der Frauen treu.

 

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