Während wir uns durch flauschige Babytiere, Traumhäuser am Meer, DIY-Schnittmuster und Beauty-Tipps scrollen und unsere virtuellen Instagram-Herzen schon fast inflationär verschenken, wissen wir nichts von der dunklen Seite des Netzwerks. Es ist, als wäre man in einem bunten, sauberen Einkaufszentrum gewesen und auf dem Weg nach Hause falsch abgebogen. In eine dunkle, dreckige Seitengasse. Voller Gefahren. Man weiß gar nicht so recht, wie man plötzlich dort gelandet ist. Aber man sieht Dinge, die einen schockieren. Die man nicht sehen will, aber vor denen man trotzdem die Augen nicht verschließen kann. Willkommen auf der dunklen Seite von Instagram. Bei den Heroinjunkies.

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Quelle: Instagram (Zum Vergrößern bitte klicken.)

Ein einziges Hashtag reicht schon aus, um sich bei Instagram zu verlaufen. Man hat sich verschrieben oder einfach unter anderen Bildern immer wieder # angeklickt bis man nicht mehr weiß, wo und wie alles anfing. Doch dann ist es zu spät. Man ist in der Drogenhölle von Instagram gelandet. Während das Hochglanzleben woanders spielt, sieht man auf den Fotos mit den Hashtags #junkiesofiggg und #nosquadd Bilder von der Realität. Ihrer Realität. Tütchen voller Pillen, fein säuberlich arrangierte Lines aus weißem Pulver, benutzen Crack-Pfeifen und blutige Spritzen – die Junkies von Instagram geben mit ihren Drogen an. Einige Wenige zeigen sich selbst beim Konsum, andere fotografieren nur den Stoff selbst oder ihre fertigen Freunde, die irgendwo über einem Tisch zusammengebrochen sind. „Hilft ihm jemand?“, kommentiert einer. „Ihm geht’s irgendwann besser“, antwortet ein anderer. Vereinzelt gibt es Notizen von Junkies, die ihren Trip beschreiben. Oder von welchen, die verzweifeln.

Konsum. Prahlerei. Verzweiflung.

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Quelle: Instagram (Text links: „Ehrlich gesagt war ich so high (abgesehen von Gras) erst einmal in meinem Leben. Ich schwebe. Alles ist so weich.“)

Durchstöbert man die Freundeslisten der Instagram-Junkies wird eines schnell klar: Die Ritzer und Depressiven sind nicht weit weg. Als würden sich hier alle verstecken, die keine Size-0-Körper, fetten Autos oder überfotogenen Golden Retriever haben. Als wären hier alle, die irgendwie einsam sind. Und traurig. Und wer freut sich darüber? Na klar, die Dealer. Die sind nämlich auch bei Instagram und bieten den Junkies direkt ihre Ware an – als wäre man auf dem Gemüsemarkt. Einfacher kann man kaum an Stoff kommen – einfacher kann man den Stoff auch nicht verticken. Angst vor Instagram selbst oder der Polizei haben sie nicht, denn die Drogendealer schreiben den Junkies Kommentare unter ihre Bilder. Für jeden lesbar.

Ist das die instagramische Unterschicht?

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Quelle: Instagram („Ne Nase am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen“)

Eine Frage bleibt bei diesen Bildern unabkömmlich: Dürfen die das? Sind Drogen-Junkie-Ritzer-Ich-zerstöre-mich-selbst-Fotos bei Instagram erlaubt? Und wenn nicht: Wieso werden sie dann nicht gelöscht? Laufen die Profile so extrem unter dem Radar, dass sie posten können, was sie wollen? Oder ist es okay, dass sich die Junkies in der gruseligen Seitengasse von Instagram gefunden haben? Und noch wichtiger: Ist das Veröffentlichen von Drogen-Fotos ein Schrei nach Aufmerksamkeit? Nach Hilfe? Angeblich sind Hilfsorganisationen bereits auf der Suche nach den einschlägigen Hashtags um Süchtigen zu helfen. Finden werden sie auf jeden Fall welche. Ob denen dann noch zu helfen ist, bleibt unklar.

 

Quelle Titelbild: Photo credit: Jonathan Rolande via Visual Hunt / CC BY