Die damals 18-jährige Evelyn Hernandez, ein Mädchen aus El Salvador, wird Opfer einer brutalen Vergewaltigung. Acht Monate später sitzt sie in ihrem eigenen Badezimmer, bringt allein und unter unglaublichen Schmerzen ein Baby zur Welt. Es ist das Kind ihres Vergewaltigers, und: eine Fehlgeburt. Wenige Monate später sitzt Evelyn vor Gericht, das in dem Fall eine 30-jährige Haftstrafe verhängt. Das Absurde: Ins Gefängnis muss nicht der Vergewaltiger, sondern Evelyn selbst. Wie es zu diesem aberwitzigen Urteil kam, lest ihr jetzt.

Photo credit: Franck_Michel via VisualHunt / CC BY

Was war passiert?

Eine Vergewaltigung gehört zu den allerletzten Dingen, die man einer Frau wünscht. Evelyn Hernandez aus dem kleinen zentralamerikanischen Land El Salvador gehört zu denen, die im August 2015 eine erleiden mussten. Doch mit der Vergewaltigung war der Schrecken für die junge Frau noch lange nicht vorbei, im Gegenteil. Er fing gerade erst an. Erst einige Monate später bemerkte Evelyn nämlich, dass sie schwanger war. Der Vater konnte nur einer sein: der Mann, der sie vergewaltigte. Acht Monate nach der Vergewaltigung, also einen ganzen Monat zu früh, fand überraschend die Geburt statt. In ihrem eigenen Badezimmer, ohne Hilfe oder Beistand, und unter starken Schmerzen brachte Evelyn ihr erstes Kind auf die Welt. Doch das Baby sollte niemals schreien. Es war eine Totgeburt.

Photo via Visualhunt

Vom Krankenhaus auf die Anklagebank

Vergewaltigung, Schwangerschaft, Fehlgeburt. Kann es denn überhaupt noch schlimmer kommen? Ja, kann es. Denn der Fall landete vor Gericht, jedoch nicht wegen der Vergewaltigung, sondern wegen der Totgeburt. Ein salvadorianisches Gericht entschied nun nämlich, dass der Tod des ungeborenen Kindes nur dadurch zustande kam, dass sich die junge Mutter nicht ausreichend um ihr Baby gekümmert hätte. Handfeste Beweise für diese Version? Absolute Fehlanzeige. Das brutal harte Urteil wurde trotzdem gefällt: 30 Jahre Haft wegen angeblichen Mordes an ihrem eigenen Kind. Wenn Evelyn wieder auf freiem Fuß ist, wird sie bereits über 50 sein.

Photo credit: Paolo De Angelis via Visual hunt / CC BY

Die absurden salvadorianischen Gesetze

Die traurige Wahrheit ist, dass der Fall von Evelyn Hernandez im Prinzip nichts Überraschendes ist. Aufgrund extrem konservativer Ansichten stehen Abtreibungen in El Salvador unter völlig übertrieben strenger Strafe. Dazu kommt, dass Fehlgeburten in El Salvador immer als Abtreibung gewertet und mit jahrzehntelangen Haftstrafen belegt werden. Die Folgen sind jedoch fatal: Viele Frauen lassen Abtreibungen illegal, im Geheimen und unprofessionell machen, was gefährlich ist und mitunter sogar tödlich endet.

Photo via VisualHunt

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International prangert die Situation bereits seit Jahren an, doch die Politik des Landes verwehrt sich bisher jeder Veränderung. Eine Sprecherin von Amnesty International erklärt, dass die Gesetzeslage vor allem ein Zeichen von Diskriminierung von Frauen und Mädchen ist. Aufklärung und Verhütungsmittel sind wenig angesehen, und doch haben Frauen dort wenig bis kein Recht auf Selbstbestimmung. Der Fall von Evelyn Hernandez setzt der Absurdität der dortigen Gesetze nun aber eine traurige Krone auf. Es muss sich etwas ändern in El Salvador, und zwar schnell.

Symbolfoto: Photo credit: MishovskiPhotography via Visualhunt