Es war ein Freitagabend wie jeder andere. Sie war mit zwei Freundinnen feiern. Endlich Wochenende, endlich tanzen und einen draufmachen. Betrunken und gut gelaunt lernte sie im Club einen Typen kennen. Eins kam zum anderen: Sie machten rum, küssten sich immer wieder. Er wollte mehr und sie mit nach Hause nehmen. Doch sie wollte ihre Freundinnen nicht hängen lassen und lehnte sein Flehen ab. Zwei Tage später die fiese Überraschung: Ihr Mund, die Lippen und das Kinn waren von einem brennenden Ausschlag überzogen – überall wässrige Ekzeme und Pusteln. Der Grund für die Infektion? Leichenherpes. Moment! Leichenherpes? WTF?

Geschenk von einem Leichenschänder

Sie hatte Panik. Noch am gleichen Morgen suchte sie einen Arzt auf. Er nahm einen Abstrich der Infektion und schickte ihn an ein Labor. Wenige Tage später stand die Polizei vor ihrer Tür. Die Beamten erklärten, dass sie jedem Fall von Leichenherpes nachgehen müssten. Eine Infektionskrankheit, die sich bei sexuellem Kontakt mit Toten übertrage. Hoch ansteckend, juckend, eiternd. Sie erzählte den Polizisten von dem Typen aus dem Club. Die Beamten gingen ihrem Hinweis nach und fanden heraus, dass er Bestatter war – ein perverser Nekrophiler, der es gerne mit den Toten in der Leichenhalle treibt.

Urban Legend 2.0

Die Story des Mädchens, das sich in einer Party-Nacht Leichenherpes von einem Leichenschänder einfängt, ist eine bekannte Urban Legend. Der Mythos kursiert seit 2009 in verschiedensten Online-Foren. Doch schon lange davor wurde die Story verbal verbreitet. So gut wie jede Stadt hat ihre eigene Version. Mal steckt sich das Mädchen mit einem Pilz an, mal ist ihre Vagina nach dem Sex mit fleischfressenden Maden befallen. In anderen Versionen nisten sich Parasiten unter der Haut des Opfers ein, nachdem es sich von ihrem Party-Flirt anspritzen lässt.

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Bullshit! … oder doch nicht?

Klar, die Story wirkt fast zu krank, um wahr zu sein. Doch wenn sich parallel so viele Versionen einer Geschichte verbreiten, liegt die Vermutung nahe, dass sich in ihr ein wahrer Kern verbirgt. Ob es einen ähnlichen Fall wirklich gab, bleibt ungewiss. Aber eins steht fest: Der Mythos vom Leichenherpes ist eine gute Warnung, nicht gleich mit jedem in die Kiste zu hüpfen und die Sache mit dem Safer Sex lieber ernst zu nehmen.

Titelbild: Symbolbild: Photo credit: d e a r d i a r y via VisualHunt.com /  CC BY-ND