Ein neuer Trend erobert das Internet: Lotusgeburten. Während normalerweise nach der Geburt die Nabelschnur gekappt und die Plazenta entfernt wird, bleibt bei der Lotusgeburt alles, wie es ist. Was als besonders „natürlich“ und „unkonventionell“ verkauft wird, ist eigentlich lebensgefährlich für die Neugeborenen. Der Ansporn der Eltern: Für viele Likes auf Facebook & Instagram das eigene Kind vergammeln lassen. Klingt ekelhaft? Ist es auch. Was genau bei der Lotusgeburt gemacht wird und wieso das für die Babys tödlich enden kann, lest ihr jetzt:

Photo credit: Herkie via VisualHunt.com

Lotusgeburt: Lasst es.

Nach einer normalen Geburt wird die Nabelschnur gekappt und die Plazenta oder auch der Mutterkuchen (das Organ, welches das Kind im Mutterleib über die Nabelschnur mit Nährstoffen versorgt) entfernt, da die Plazenta ohnehin nach der Geburt abstirbt. Allerdings nicht bei der Lotusgeburt. Dabei wird die Plazenta nicht vom Kind getrennt – und 5-10 Tage auf das Abfaulen der Nabelschnur gewartet. Die Plazenta bleibt somit bis zu 10 Tage an dem Säugling befestigt. Die Gründe sind nicht medizinischer Natur. Es ist ein Mix aus Geburtsriten alter Naturstämme, die von modernen Esoterikern aufgegriffen wurden und dem typischen Social-Media-Bedürfnis, „in“ und „unkonventionell“ zu sein. Was die like-geilen Eltern damit ihre Neugeborenen antun? Vermutlich mehr, als sie denken.

Photo credit: lunar caustiv via VisualHunt.com

Esoterik oder Humbug?

Eltern, die ihrem Kind so etwas antun, glauben allen Ernstes, dass das Kind und die Plazenta das gleiche „Chakra“ haben. Außerdem wird vermutet, dass die Plazenta das Baby weiter mit Nährstoffen versorgt. Wie falsch solche Vorstellungen sind, zeigen Wissenschaftler und Ärzte, denn: Ebenso wie die Nabelschnur stirbt die Plazenta nach ca. 3-5 Minuten (!) außerhalb des Mutterleibes ab. Das Kind muss fortan selbst atmen und gesäugt werden. Beweise für einen Nährstofftransport nach den 3-5 Minuten sind in keinster Weise erbracht worden. Esoterik hin oder her – dieser Trend birgt hohe Risiken!

Photo credit: bradkeb via VisualHunt.com

Achtung! Jetzt wird es eklig.

Zwar ist der Blutfluss durch die Nabelschnur gestoppt, aber in der Plazenta treten über die Zeit hinweg Fäulnisprozesse auf. Die alten Naturrituale wollen dieses Problem mit Salz und Kräutern lösen. Doch das überdeckte meistens nur den Fäulnisgeruch. WÜRG. Das Neugeborene ist also mit einem faulenden Stück Fleisch verbunden! Das Infektionsrisiko? Massiv.Ein weiteres Problem: Durch Spannung kann es beim Bewegen zu Verletzungen an der Bauchdecke des Kindes kommen. ABER man kann tolle Fotos für Instagram machen. Auch wichtig. *Ironie off*

Photo credit: Inspired Photography CT via VisualHunt / CC BY

Gefährliches Halbwissen

Oft vertrauen die Eltern dem Halbwissen von sogenannten Schamanen oder Naturheilkundlern, ohne den Rat von ausgebildeten Medizinern zu konsultieren. Selbst wenn es ein Social-Media-Trend ist: Lasst es. Denn auch , wenn an Esoterik und alternativen Heilpraktiken nichts auszusetzen ist, sollte es doch immer um das Wohl des Neugeborenen gehen – statt um einen (gefährlichen) Hype.

Titelbild: Photo credit: MammaLoves via VisualHunt /  CC BY