Die Trulla in der Bahn, die Kaugummiblasen macht. Meine Kollegin, die STÄN!DIG! unter’m Tisch mit ihren Knien gegen den Tisch wackelt (ICH KANN DAS SEHEN!). Mutti, wenn sie einen Joghurtbecher auskratzt. Mein Freund, wenn er Chips frisst. Ja, doch, “fressen” ist an dieser Stelle genau das richtige Wort. Denn all diese Dinge machen mich SO aggressiv … Warum? Na weil ich an Misophonie leide!

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Misophonie, das ist der “Hass auf Geräusche”, sagt unser aller Freund Wikipedia. Ich würde es aber eher als “STARK verminderte Toleranz gegenüber Menschen, die ihre Kauleiste und/oder andere Körperteile nicht im Griff haben und andere permanent mit unangebrachten Geräuschen belästigen” bezeichnen. Leute mit Misophonie reagieren “wütend auf alltägliche Geräusche wie Essgeräusche, Atmen [OMG ich HASSE Atem-Geräusche], Kaugummikauen”. Absolut, das kann ich unterschreiben.

Ich mag meinen Freund und auch meine Kollegin ist sehr nett (die Trulla in der Bahn kenne ich nicht, aber kann sie nicht einfach Zähne putzen statt Kaugummi zu kauen?!). Aber irgendwo hat jede Freundschaft ihre Grenzen: In meinem Fall bei Ess- und anderen unnötigen Geräuschen (im Ernst, das sind keine „Alltagsgeräusche“, das ist der reine Horror!). Wie kann man nur so dünne Wangenhaut haben, dass sich Kauen so UN!END!LICH! laut anhört!? Gibt’s da nichts von Ratiopharm?

Ach, wenn’s doch nur die Essgeräusche wären. Dieses ewige Klackern, Rascheln, Summen, Schmatzen, Grunzen, Schlürfen, Seufzen,… [Liste bitte beliebig erweitern] macht mich fertig!

In meinen Teenie-Tagen ist das Familienfrühstück beim Versuch, meinem Vater das Schlürfen beim morgendlichen Kaffee abzugewöhnen, regelmäßig eskaliert (ohne Hauen). Nicht nur einmal musste ich Typen absägen, weil sie als Date ein romantisches Dinner vorschlugen (KAUEN! IST! NICHT! ROMANTISCH!!!) Und seit ich meiner besten Freundin gegens Bein treten musste, weil sie einfach IMMER damit rumwackelt, weigert sie sich, neben mir zu sitzen. Warum sind Menschen so unbelehrbar? Ich mach das ja wirklich nicht gerne (okay doch), aber irgendjemand muss ihnen ja mal die Augen über die ihnen anhaftende Geräuschkulisse öffnen.

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Du bist dir nicht sicher, ob du Misophonist (oder Misophoniker!? Oder Misophonaut?) bist? Dann geh doch mal wieder ins Kino. Die dunklen Säle sind ein Hort der nervtötenden Geräuschemacher: Da wird wie blöde Popcorn gemampft, mit Tüten geraschelt, die Stühle quietschen, weil mal wieder einer nicht stillsitzen kann, ständig wird leise geflüstert und an unpassenden Stellen dumm gelacht, sich geräuspert, geschmatzt, die Nase hochgezogen…
Zugegeben, aus genau diesen Gründen war ich seit fünf Jahren nicht mehr in einem Kino — aber ich könnte schwören, es hat sich bis heute nichts geändert.

Ach Mensch. Ich vergaß zu erwähnen, dass Misophonisten (oder -phoniker oder -phonauten) hervorragend zu triggern sind. Es tut mir leid, dass ihr nun nie wieder entspannt und friedlich unter Menschen gehen könnt, aber wie meine Mutti immer sagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

In diesem Sinne zum Abschied meine Top 5 der widerlichsten Geräusche ever:

  1. Essgeräusche. Äpfel, Karotten, Kekse, Nüsse, alles was man schlürfen kann — ich starte demnächst eine Petition für die Verlegung sämtlicher Mahlzeiten ins stille Kämmerlein zu Hause.
  2. Lautes Atmen. Auch ein Kollege… es scheint, als würde er mit offenen Augen schnarchen. WIEKANNMANSOLAUTATMENDASMACHTMICHHARDCOREWÜTENNNND!!!
  3. Kaugummiblasen platzen lassen. Der Erfinder muss ein ausgeprägter Misantroph gewesen sein, dass er der Menschheit sowas angetan hat.
  4. Kugelschreiber-Klackern. Ein Klassiker. Man könnte Kriege verhindern, würde man die ganze Welt einfach auf Bleistifte umrüsten!
  5. Lachen. JEDER kennt doch jemanden mit einer total bescheuerten Lache, in dessen Gegenwart man schon versucht super unlustig zu sein, damit er bloß nicht loslacht, weil die Gefahr spontaner Gewaltanwendung sonst einfach zu hoch wäre.
xc

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Kleiner Bonus: Am allerschlimmsten finde ich übrigens das Geräusch, wenn mein Freund Zähne putzt. Hört morgen früh mal genauer hin, wenn ihr gemeinsam im Bad seid (nicht mit meinem Freund, mit eurem) — dieses Kratzen der Borsten über die Zähne, das Schlürfen, wenn die Zahnpasta fast raustropft, das Gurgeln am Ende. Warum tun Menschen das? Es ist wirklich GANZ, GANZ schrecklich.