„Mein Papa und meine Mama haben sich gestritten. Und dann hat mein Papa meine Mama getötet“, erzählt der 12-jährige Junge. Er war erst 6 Jahre alt, als sein Vater zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Seitdem will ihn keiner haben. Er wird verstoßen und ausgegrenzt – und das sogar von seiner eigenen Familie. Die Kinder der Gehenkten werden wie Abschaum behandelt. Keine Seltenheit in China. Die Kleinen landen auf der Straße, verhungern und werden missbraucht. Sie sind vollkommen schutzlos und auf sich alleine gestellt. Nur mit Glück finden sie Zuflucht in einem der „Sun Villages“. Ein Ort nur für Kinder, deren Eltern hingerichtet wurden oder im Gefängnis sind. Warum China diese Kinder so sehr verachtet und wie das Leben in den Sun Villages aussieht, lest ihr jetzt.

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Rekordhalter der Todesstrafen.

Kein Land lässt so viele Menschen hinrichten wie China. Über 50 Delikte werden mit der Todesstrafe verhängt. Giftspritzen? Ja. Oder ein Schuss in den Hinterkopf auf großen, öffentlichen Plätzen. So werden pro Jahr schätzungsweise tausend Verbrecher hingerichtet. Die genauen Zahlen sind und bleiben ein Staatsgeheimnis.

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Die Strafe der zurückgelassenen Kinder

Mit Ausgrenzung und Ablehnung werden die Kinder der Hingerichteten bestraft. Keiner will sie haben – nicht einmal ihre Familie. Es gibt sogar ein Gesetz, dass verbietet, diese Kinder zu adoptieren. Wie unmenschlich kann ein System sein?!

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Das Kind eines Verbrechers

„Der Sohn eines Helden ist ein Held. Und der Sohn von einem faulen Ei ist selbst ein faules Ei.“

Warum sind die Kinder der Hingerichteten so verhasst? Erklärungen lassen sich in der Geschichte finden: Zur Zeit des Kaisers Chinas Mao Zedong wurden nicht nur die Verbrecher hingerichtet, sondern auch ihre Angehörigen. Er vertrat die Ansicht, dass der Sohn eines Verbrechers ebenfalls als Verbrecher enden wird. Obwohl Mao seit über 40 Jahren verstorben ist, hinterlässt er mit dieser Sichtweise einen bitteren Nachgeschmack in der Gesellschaft Chinas.

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Und die Mütter der Mörderkinder?

„Diese Kinder sind unschuldig. Sie haben sich schließlich nicht ausgesucht, wer ihre Eltern sind. Sie sollten ein Zuhause haben und sich sicher fühlen dürfen.“ – Zhang Shuqin

Deswegen gibt Madame Zhang genau diesen Kindern ein sicheres Zuhause. Die fast 70-jährige Frau hat früher als Gefängniswärterin gearbeitet und sich mit dem Kummer der Häftlinge auseinander gesetzt. Die größte Sorge aller Gefangenen waren ihre zurückgelassenen Kinder. Keiner will für diese Kinder die Verantwortung übernehmen – nicht einmal der Staat. Das gab ihr den Anstoß, das erste Sun Village vor 15 Jahren zu eröffnen.

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Wenn die Sonne wieder aufgeht

Inzwischen gibt es neun Sun Villages in denen über 90 Kinder leben. Insgesamt hat Madame Zhang schon über 2.000 Kinder aufgenommen. In den Sun Villages bekommen die Kinder Kleidung, Essen und Schulbildung. Viele dieser Kinder leiden an seelischen Problemen, denn sie waren oft Zeugen der Verbrechen ihrer Eltern. Viele haben miterlebt, wie ihre Eltern sich gegenseitig umbrachten. Die Kinder unterstützen sich untereinander und sprechen über ihr Erlebtes, denn für eine richtige seelische Betreuung reicht das Geld nicht aus.

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Die Sun Villages werden ausschließlich von privaten Spendengeldern finanziert und erhalten keine staatliche Unterstützung. Viele Kinder sind motiviert, aus ihrem Leben etwas zu machen, um später die Sun Villages unterstützen zu können. Ganz schön tapfer!

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