Du kommst nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause und freust dich einfach nur noch auf dein Feierabendritual mit deiner Frau. Das besteht nicht aus einem heißen Quickie auf dem Küchentisch und nein, ihr geht auch nicht gemeinsam im Park joggen, wie die anderen netten Pärchen da draußen. Stattdessen zieht sie ihr T-Shirt und den BH hoch – und gibt dir die Brust. Sobald du die ersten Tropfen ihrer Muttermilch schmeckst, kannst du dich endlich entspannen. Denn ihr habt eine „ANR“, eine „Adult Nursing Relationship“, eine erwachsene Stillbeziehung. Das bedeutet, ein Partner wird regelmäßig vom anderen Partner gestillt.

Moment mal. Stopp. Bitte was?! Es gibt da draußen perverse Schweinesäue, die ihren erwachsenen Partner stillen? Und andersrum: Männer, die von dem Geschmack von Muttermilch einen Ständer kriegen? Jepp. Die gibt es. Übrigens findet so etwas auch in vielen lesbischen Beziehungen statt. Was stimmt mit denen nicht?!

Quelle: empirenews.net

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Jeder kann stillen, wenn er will. Auch Männer.

Fangen wir mal mit dem Technischen an. Nur Mamas, die gerade einem kleinen Bauchzwerg das Leben geschenkt haben, können stillen? Nope! Mutter Natur hat es so eingerichtet, dass im Prinzip alle Frauen ein Baby stillen können, wenn die Brust regelmäßig stimuliert wird. Sogar manche Männer können Milch geben, wenn sie es trainieren. Alte Hasen im ANR-Business empfehlen dafür, die Brustwarzen jeden Tag mindestens sechsmal für mindestens zehn Minuten mit den Fingern „auszuwringen“. Als würde man eine Kuh melken. Dann dauert es zwischen sechs Tagen und sechs Wochen bis man Milch gibt. Krasse Sache! (Nein, ich habe es nicht ausprobiert.)

Sexy Muttermilchspiele? Machen fast alle Paare mit Kind mal.

Quelle: pulse.ng

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Surpise, surprise: Nach der Geburt gehört Muttermilch fast zwangsläufig zum Sexleben der meisten Elternpaare dazu. Denn sexuelle Erregung kurbelt die Milchbildung bei den Frauen an. Die meisten Männer (etwa 70 Prozent von 8.500 Befragten) trinken die Muttermilch dann einfach selbst weg, reiben sich damit ein oder benutzen sie als Gleitmittel. Why eigentlich not?

Wenn man es so sehen will, treiben Paare in einer erwachsenen Stillbeziehung das Ganze also nur ein Stückchen weiter und stillen, auch nachdem das Baby die Milch nicht mehr braucht. Oder sie (re)aktivieren die Milchproduktion aus Liebe zum Partner. Einige ANR-Frauen produzieren auf diese Weise seit 30, 40 Jahren Milch.

Pervers, selbst in Fetischkreisen.

Das ANR-Logo | Quelle: Wikipedia

Das ANR-Logo | Quelle: Wikipedia

Selbst in Onlineforen, in denen User sich über ihre unendlichen Fetische austauschen, gelten ANR-Paare als komplette Freaks. Und verirren sich Frauen, die ihren Männern (oder ihren Frauen) die Brust geben, mal versehentlich in die Medien, herrscht sofort die totale Eskalation in den Kommentarspalten. Wie damals, als diese Britin beschloss, ihren Job zu kündigen um ihren Ehemann rund um die Uhr stillen zu können und damit an die Öffentlichkeit ging. Die einen fanden das „Iiiih, pfui, voll krank und so!“, die anderen – vor allem stillende Mütter – fühlten sich und ihre Bedürfnisse ins Lächerliche gezogen: Da kämpft man mühevoll für die gesellschaftliche Akzeptanz von stillenden Mamis und dann kommen ein paar Irre daher und lassen sich von ihren erwachsenen Partnern melken – Shame on you!

Was finden wir denn eigentlich so schlimm daran?

„Wir trinken die Muttermilch von Tieren, aber unsere eigene finden wir abstoßend? Wie passt das zusammen?“

(Chelsea, in einer AN-Beziehung)
Quelle: milkforme.sextuations.com

Quelle: milkforme.sextuations.com

Eigentlich ja eine berechtigte Frage. Möglicherweise stoßen „Adult Nursing Relationships“ deshalb auf so große Abneigung, weil schnell die Assoziation von Kindesmissbrauch mitschwingt.

Der Stillvorgang als solcher ist in den Köpfen der meisten Menschen so ungefähr das Reinste und Ursprünglichste, was sie sich vorstellen können: Die Mutter ernährt ihren süßen, kleinen Säugling mit ihrem eigenen Körper – hach, wie schnuckelig! Der bloße Gedanke, dass der gleiche Vorgang – allerdings ohne Kind und unter ganz anderen Umständen – der Stillenden ein feuchtes Höschen beschert, ist daher erstmal abstoßend. Die Befürchtung: Geilen sich „solche Frauen“ dann auch heimlich an ihrem eigenen Nachwuchs auf?

Nicht immer geht’s dabei um Sex.

„[Das Stillen ist] für sie eine Möglichkeit, mir unmittelbar etwas von ihr zu schenken, es ist ein Akt von Liebe und Großzügigkeit.“

(Garrett, Chelseas Mann)

Das ist zumindest der Hauptgrund, den ANR-ler angeben, wenn man sie fragt, was sie denn am Stillen, bzw. Gestillt werden, so super finden. Nähe, Hingabe, Bindung zueinander – darauf scheint es hinauszulaufen. Nicht zwangsläufig auf milchigen Sex. Klingt immer noch strange? Ist es auch irgendwie immer noch. Ob Frauen, die ihren Männern die Brust geben, ihren Liebsten heimlich als hilfloses Baby wahrnehmen? Klickt man sich durch die ANR-Foren, sieht es zumindest nicht so aus. Da wird immer wieder betont, dass beide Partner einander gleichgestellt sind. Nur, dass der eine eben einen Teil des anderen trinkt. Zum Stressabbau. Warum auch nicht?

Anscheinend alles halb so wild.

 

*Titelbild via knkiapp.com