Der winzige Raum mit kahlen Wänden ist nur etwas mehr als einen Meter breit. Verschlossen ist die kleine Kammer mit einer schweren Tür. Die Glasscheibe der Tür ist mit einem stabilen Gitter versehen. In dem Zellen artigen Raum steht ihre kleine Tochter Alegra, acht Jahre alt. Ihre Augen sind verheult und sie zittert am ganzen Körper. Das Mädchen steht unter Schock. Doch warum muss sie hier stundenlang verharren? Ihrer Lehrerin hat sie in den kleinen Raum gesteckt – zum Nachsitzen.

„Sie sagten, dass sie schon seit Stunden weinte.
Und niemand versuchte sie zu beruhigen!“

Die Rock Ridge Grundschule nutzt den kleinen Raum, um Kinder zu bestrafen. Wenn ein Kind den Unterricht stört oder einen Mitschüler ärgert, wartet die kahle Zelle zum Nachsitzen auf sie. Die Tür, so die Schulleitung, sei dabei nie abgeschlossen. Alegra wurde in die Kammer gesteckt, weil sie eine Mitschülerin bedroht haben soll. Doch ihre Mutter weiß, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Die Mitschülerin mobbte Alegra schon seit Monaten. Dann wehrte sich die Achtjährige in harschem Ton: „Lass mich endlich in Ruhe oder ich sage es meiner Mama!“. Für ihren Ausbruch wurde Alegra hart bestraft. Zu hart. Alegras Cousine nahm sich im Alter von 13 Jahren das Leben, weil auch sie in der Schule gemobbt wurde. Darum ist Alegras Mutter jetzt besonders besorgt. Sie möchte, dass ihr Kind gerne zur Schule geht. Sie wird ihre Tochter nicht weiter in die Rock Ridge Grundschule schicken und denkt darüber nach, die Lehrerschaft zu verklagen.

Titelbild: Symbolfoto: Photo via pixabay