Mir war übel und ehe ich mich versah, spuckte ich bereits auf den Tisch. Sofort eilte eine Nonne zu mir hinüber. Doch statt Besorgnis in ihren Augen, sah ich nur Zorn. Ohne zu zögern, warf sie mir einen Löffel hin. „Aufessen!“, sagte sie. Ich erstarrte. „Iss‘ deine Kotze!“, verlangte sie erneut. Im Speisesaal der Kinder-Psychiatrie waren alle Augenpaare auf mich gerichtet. Scham überkam mich. Langsam hob ich den Löffel und löffelte mein Erbrochenes. Obwohl sich mein ganzer Körper dagegen sträubte, steckte ich mir den Löffel in den Mund. Einige Male schaffte ich es, doch dann erbrach ich erneut. Der Ekel war zu groß. Immer wieder spuckte ich mein Erbrochenes wieder aus. Das wiederholte sich ganze sechs Mal. Das war eine Strafe, die ich niemals vergessen werde und eine Strafe, die nur eine von vielen war. Was die Nonnen den Kindern noch angetan haben und wieso niemand den Kindern aus der Psychatrie geholfen hat, lest ihr jetzt.

 

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Therapieren Foltern

Sie mussten auf einen Kieselbeet bis zur Ohnmacht knien, wurden in Zwangsjacken gesteckt und immer wieder ins kalte Wasser gedrückt oder bekamen Spritzen, die sie tagelang bewusstlos machten…Das waren in den 70gern einige der Maßnahmen, die von Pflegern und Nonnen in den Kinderpsychiatrien unternommen wurden. Prügel und Erniedrigungen standen an der Tagesordnung. Wer sich nicht schlagen ließ, erwartete Schlimmeres.

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Kommunionsgespräch mit Schokolade

Doch es blieb nicht nur bei den körperlichen Schmerzen. Die Opfer berichteten auch von sexuellen Missbräuchen. Die Kinder wurden zum privaten Kommunionsgespräch in die Kammer der Nonnen gebeten. Nachdem sie sich an die Kinder vergangen hatten, schickten sie diese mit Schokolade wieder fort.

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Gesund rein, krank wieder raus

Damals wurden nicht nur geistig und körperlich behinderte Kinder eingewiesen, sondern auch vollkommen gesunde Kinder. Sie waren ungehorsam und aufsässig. Was wir heutzutage als pubertierend beschreiben würden, reichte damals schon für eine Einweisung aus. Teilweise wurden Kinder nur eingeliefert, weil sie unehelich entstanden sind. Einfach unbegreiflich…

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Unglaubwürdige Idioten

„Wir waren keine Menschen – und Idioten glaubt man nicht! Für die waren wir Idioten.“ – Wolfgang P. (Missbrauchsopfer)

Wurde damals wirklich nichts unternommen? 13 Kinder schilderten damals detailliert ihren Missbrauch, doch der Staatsanwalt lehnte einen Prozess ab. Angeblich genügte der Beweiswert nicht. Zur Rechenschaft kann heute keiner mehr gezogen werden, denn die meisten Täter sind bereits verstorben…

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Für immer verwundet…

Warum wir nach fast 50 Jahren darüber schreiben? Weil das Leid der Opfer nach Jahren nicht weniger wird. Sie sind gekennzeichnet. Ein Leben lang. Karl-Heinz G. wurde in der Kinderpsychiatrie in Marsberg mehrfach von einer Nonne sexuell missbraucht. Als er jetzt als Erwachsener ein Foto von ihr sieht, bricht er in Tränen aus. Damals war er 14 und nun ist er fast 70 Jahre alt. Zeit heilt eben nicht alle Wunden…

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