Gulnaz war 16 Jahre alt, als sie ein älterer Mann brutal vergewaltigte. Sie wurde schwanger – und landete im Knast. Ja, sie… die Vergewaltigte. Der Grund? Ihr Peiniger war verheiratet und so galt sie als Ehebrecherin – vor dem afghanischen Gesetz ein schweres Vergehen. Zwar wurde Gulnaz wenig später begnadigt, doch in den Augen ihrer Familie blieb sie eine Schande und wurde verstoßen. Und es wird noch grausamer, denn heute ist Gulnaz mit ihrem Vergewaltiger verheiratet. Für uns unvorstellbar, für die Afghanin der einzige Ausweg in eine sichere Existenz für sich und ihre Tochter. Welche unmenschlichen Schicksale Vergewaltigungsopfer auf der ganzen Welt erwarten, erfahrt ihr hier!

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Missbraucht, geschwängert und verstoßen

Für junge Mädchen in vielen arabischen und afrikanischen Ländern gilt ein krankes, ungeschriebenes Gesetz: Wirst du vergewaltigt, hast du die Ehre deiner Familie beschmutzt. Die Schuld an der grausamen Tat wird dabei den missbrauchten Frauen zugesprochen. Ist der Täter verheiratet, wird auch sein Opfer als Ehebrecherin betrachtet. Für ihre Familien sind diese Mädchen und Frauen dann nur noch Abschaum. Nicht selten sind sie von ihrem Peiniger schwanger. Trotzdem werden sie verstoßen, bleiben für den Rest ihres Lebens gesellschaftlich ausgegrenzt. Ihre einzige Hoffnung: Eine Zwangsehe mit ihrem Peiniger.

Heirate deinen Vergewaltiger!

In einigen Ländern werden die Opfer sogar von der Justiz zu solchen Wiedergutmachungsehen gedrängt. Eine perfide Masche, die vor allem die Vergewaltigter schützen und betroffene Frauen an den Pranger stellen will. Die Ehe mit Opfern bedeutet hier Straffreiheit für die Vergewaltiger.

Entschädigung? Ja, aber was für eine…

Im Libanon sind die Peiniger sogar dazu verpflichtet, missbrauchte Frauen und Mädchen zu heiraten. Als Entschädigung. Eine kranke Logik, die fest in den Köpfen der Bevölkerung verankert scheint. Zwar wird im Libanon an der Änderung des entsprechenden Gesetztes gearbeitet, doch in ländlichen Regionen sind die etablierten Regeln nur schwer zu kippen.

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Wo Mädchen und Frauen nichts wert sind

Auch Frauen, die im Sudan sexueller Gewalt zum Opfer fallen, müssen mit Strafverfolgung rechnen. In der Türkei sollen Vergewaltiger ebenfalls ihre schwangeren Opfer heiraten. Angeblich um die Kinder zu schützen. Frauen in Saudi-Arabien drohen harte Strafen nach dem Gesetz der Scharia, wenn sie an öffentlichen Plätzen vergewaltigt werden. Sagt mal, geht’s noch?!?!

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Ändert sich etwas?

Vor kurzem haben Tunesien und Marokko Widergutmachungsehen ein Ende gesetzt. Auch Jordanien steht kurz vor einem Wandel im Umgang mit Vergewaltigungsopfern. Doch ob das auch ein Umdenken in der Bevölkerung bewirkt, bleibt fraglich. Fest steht, dass Millionen von Frauen in muslimisch geprägten Ländern wie dem Irak, Afghanistan und Malaysia weiterhin einer grausamen Zukunft in Zwangsehen entgegenblicken. Gesetzesänderungen wären auch hier nur ein Anfang. Viel wichtiger wird es sein, durch Aufklärung ein gesellschaftliches Umdenken zu erwirken. Um Mädchen endlich die Angst vor Zwangsehen mit ihren Vergewaltigern zu nehmen.

Titelbild: Symbolfoto: Photo credit: Aditya Virendra Doshi via Visualhunt /  CC BY-SA