Warmes Blut spritzt zu allen Seiten, der getroffene Körper geht zu Boden und die Glieder zucken. Soweit das Auge reicht liegen tausende abgeschlachtete Wasserbüffel in ihren letzten Atemzügen. Sie alle sind Opfergaben zu Ehren der Hindu-Göttin „Gadhimai“. Alle fünf Jahre wird ihretwegen in einem kleinen Dorf in Nepal das weltgrößte Opferfest zelebriert – dabei sind Tieropfer im Hinduismus eigentlich gar nicht erlaubt. Wieso das Abschlachten für viele Menschen trotzdem in Ordnung ist, erfährst du hier.

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Ein blutiges Vergnügen für Groß und Klein

Obwohl die Nepalesen ihr Land gerne als friedlichstes der Welt bezeichnen, richten sie seit über 260 Jahren das brutale Gadhimai-Opferfest aus. Alle fünf Jahre im November wird das kleine Dorf Bariyarpur zum Schauplatz grausamer Taten. Höhepunkt des mehrwöchigen Festivals sind die ersten beiden Tage, an denen bis zu 300.000 Tiere öffentlich getötet werden. Die fünf Opfergaben bestehen aus Büffeln, Ziegen, Schweinen, Ratten und Tauben. 90% der Besucher kommen extra aus Indien angereist, wo Tieropfer übrigens verboten sind (!) und bringen in engen Kofferräumen ihre eigenen Tiere mit über die Landesgrenze. Auf der tagelangen Reise erhalten diese weder Nahrung noch Trinkwasser. Wozu auch, sie sterben später ja eh.

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Neue Metzger braucht das Land

250 bis 500 Männer werden von den Priestern auserwählt und erhalten die Lizenz zum Schlachten. Sie sind meist unqualifiziert und brauchen bis zu 25 Versuche um einen Büffel mit ihrer stumpfen Machete zu töten. Der Göttin wegen soll so viel Blut wie nur möglich fließen, da kann logischer Weise keine Rücksicht auf das Wohl der Tiere genommen werden. Stattdessen wird das leidvolle Spektakel live im Fernsehen übertragen, damit es ja niemand verpasst.

Nen Kürbis für’s Image!

Weltweit steht Nepal für dieses Blutbad in harter Kritik und die meisten Hindus lehnen das Opferfest strikt ab. Tierschutzorganisationen gingen bereits auf die Barrikaden und haben dem religiösen Abschlachten den Krieg erklärt. Tatsächlich ließ die Leitung des Gadhimai-Tempels im Juli 2015 verlauten, dass ab sofort auf das Blutvergießen verzichtet werden soll. Stattdessen sollen bei der nächsten Sause im Jahr 2019 Kürbisse als Opfer dienen. Ob sich aber wirklich an die neue Abmachung gehalten wird, ist unklar. Denn größter Fan des traditionellen Massakers ist die Fleisch- und Lederindustrie, die die ausgebluteten Opfertiere am Ende weiterverarbeitet. Auch die Regierung profitiert stark vom Festivaltourismus. Was will man da machen? Immerhin verblutet ein Kürbis nur halb so schön wie eine Ziege. #Ironieoff

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