Sie essen Buntstifte, Asche von Verstorbenen oder ganze Flugzeuge: Es gibt Menschen, die den unstillbaren Drang haben, Gegenstände zu verzehren. Die bizarren Speisepläne dieser Mitmenschen scheinen keine Grenzen zu kennen und ihre Knabberlaune schreckt dabei selbst vor gefährlichen Substanzen nicht zurück. Bei den einen ist das ganze nur ein abgedrehter Show-Act, um die Massen zu schockieren, während es sich bei anderen um eine ernstzunehmende Essstörung (Pikazismus) handelt. Aus welchen Gründen Menschen lieber zum Stück Seife als zum Döner greifen und was es mit dem Pica-Syndrom auf sich hat, erfahrt ihr jetzt.

Der Mann, der zwei Jahre an einem Flugzeug knabberte

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Quelle: fearoflanding.com/

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum sich Menschen regelmäßig Gegenstände einverleiben. Für Michel Lotito war dieser Grund ebenso simpel wie abgedreht: Es war sein Job. Der französische Entertainer erlangte mit dem Aufessen eines ganzen Sportflugzeuges weltweite Bekanntheit. Dieser Spaß dauerte ganze zwei Jahre, an deren Ende er die gesamte Maschine einmal durch sein Verdauungssystem gejagt hatte. Doch auch darüber hinaus war Lotio sich nicht zu schade, alles erdenkliche Gerümpel zu verputzen. Sein bevorzugtes Menü: Fernseher, Einkaufswagen und Fahrräder. Die Objekte der Begierde zerlegte er dabei in kleinste Stücke und spülte den Festschmaus mit Motoröl (wtf?!) und Wasser runter. Bis zum Ende seines Lebens, im Jahr 2007, hat Litot so insgesamt neun Tonnen Metall verschlungen. Haben ihm seine kranken Zirkusnummern geschadet? Scheinbar nicht. Michel Lotito starb mit 57 eines natürlichen Todes und bleibt den Menschen als Monsenieur Mangetout (Herr Allesfresser) in Erinnerung.

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Hungrig auf Haustiere…

Weniger unterhaltsam war die Ursache, die den polnischen Soldaten Charles Domery dazu veranlasste, Unmengen an unverdaulichen Objekten zu verzehren. Domery litt seit seiner Kindheit an unstillbarem Hunger, der sich mit dem Konsum herkömmlicher Speisen allein nicht loswerden lies. So pfiff sich Domery zusätzlich zur zehnfachen Menge einer normalen Soldatenration in einem Jahr ganze 174 Katzen rein. Und obwohl er Gemüse verabscheute, versuchte er seinen Magen täglich mit bis zu zwei Kilo Gras zu füllen, wenn er keine anderen Lebensmittel auftreiben konnte. Doch egal wie viel der junge Soldat in sich hinein stopfte: Sein aggressives Hunger-Gefühl wollte nicht verschwinden. In britischer Kriegsgefangenschaft, verleibte sich Domery neben der Gefängnis-Katze mindesten 20 Ratten und unzählige Kerzen ein. Darüber hinaus ist dokumentiert, dass er dort sieben Kilo rohes Rindfleisch verschlang, ohne von seinem mittaglichen Snack auch nur einmal aufstoßen zu müssen.

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Zwanghaften Appetit auf einen Gegenstand – Das Pica-Syndrom

Auch heute, mitten in unserer Gesellschaft, gibt es noch Menschen, die statt zu gewöhnlichen Lebensmitteln viel lieber zu einem absurden und ungenießbaren Ersatz greifen. Während gewöhnliche Lebensmittel bei Ihnen Übelkeit und andere Abwehrmechanismen hervorrufen, haben diese Menschen Appetit auf komplett Abwegiges. Diese zwanghafte Lust nach einem bestimmten Gegenstand wird von Medizinern „Pica-Syndrom“ genannt. Welche Art von Objekten die Betroffenen begehren, ist unterschiedlich.

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Die Spanne reicht von Steinen, Babypuder und Zahnpasta bis hin zu Seife, Kot und der Asche des verstorbenen Ehemanns. Das seltene Syndrom und seine Ursachen sind wenig erforscht und die Therapie von Betroffenen ist extrem kompliziert. Schließlich muss man ihnen abgewöhnen, das zu verzehren, wo für sie ganz natürlichen Hunger empfinden. Nicht ungefährlich, denn offensichtlich essen diese Menschen häufig schädliche Substanzen.
Für euch besteht allerdings Hoffnung. Denn wenn ihr das nächste mal wegen eurer verrückten Essens-Gewohnheiten wie Salami mit Nutella oder Nudeln mit Apfelmus angemacht werdet, erzählt euren Kritikern einfach von Michel Lotito oder Charles Domery. Dann habt ihr eure Ruhe. Ganz bestimmt.

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