Ich war sein kleiner Liebling. Jeden Abend schlich er sich leise in den großen Schlafsaal des katholischen Jungeninternats, setzte sich auf mein Bett und strich mir zärtlich über die Wange. Dann küsste er mich, legte sich zu mir und schob langsam seine Hand in meine Hose. Er begann mich zu berühren und ich spürte ihn an meiner Hüfte hart werden. Dann nahm er meine Hand und zwang mich, ihn anzufassen. So lange, bis er gekommen war. Dann ging er und ich schwieg. Jahrelang. Damals verstand ich nicht, wieso alle um mich herum behaupteten, dass er ein guter Mensch sei. Tun gute Menschen so etwas? Oder sind sie nur gut, weil sie Priester sind, egal was sie uns wirklich antun? Und wie kann es sein, dass so viel vertuscht wird?!

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Früher? Von wegen.

Das gab es doch nur früher… sagen die einen. Von wegen. Denn auch heute werden immer und immer wieder Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch Priester bekannt. Aktuellster Fall: Der australische Kardinal George Pell muss sich zur Zeit vor Gericht verantworten. Er soll in den Achtzigern Kinder sexuell missbraucht haben. Nur 5 Minuten dauerte seine erste Gerichtsvorladung bei der nur sein Anwalt sprach und jegliche Vorwürfe abwiest. Besonders brisant: Kardinal Pell ist der höchste katholische Würdenträger, der je wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt wurde. Vor Gericht wies er gerade alle Vorwürfe zurück.

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11. Gebot: Vertuschen und schweigen

Doch wie kann es sein, dass die Kirche auch nach Jahren immer wieder mit solchen internen Straftaten zu tun hat? Das deutsche Grundgesetz erlaubt es der Kirche, ihr eigenes Rechtssystem zu haben und Fälle jeglicher Art intern zu klären, sodass sie nicht nach außen dringen. Sexuelle Übergriffe an Kindern ist in der katholischen Kirche allgegenwärtig. Und auch wenn Papst Franziskus mit seiner „0-Toleranz-Politik“ gegenüber sexuellem Missbrauchs deutlich seine Ambitionen unter Beweis stellt, erlebt auch dieses Verfahren einen Rückschlag nach dem anderen. Nicht nur von Streit innerhalb eines unabhängigen Gremiums wird berichtet, sondern auch von der angeblichen Deckung eines Bischofs, der Tief in der Pädophilen-Szene drin stecken würde.

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„Krankheitsbedingt“ versetzt.

Statt pädophile Priester komplett aus dem Verkehr zu ziehen, werden sie in eine andere Gemeinde versetzt. Aus „krankheitsbedingten Gründen„, heißt es. In der neuen Gemeinde angekommen, missbrauchen sie weitere Kinder bis sie erneut versetzt werden. Dieses Muster wurde vom Bosten Globe untersucht und dann öffentlich gemacht. Es scheint, als gäbe es seit Jahren dieses Vertuschungssystem, das womöglich bis heute noch funktioniert.

Lebenslanges Leid

„Mit den selben Fingern mit denen er sein Sperma auf meinen Körper verteilt hat, hat er mir am nächsten Tag die Hostie in den Mund geschoben.“ – A., 12 Jahre alt

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Panikattacken, Persönlichkeitsstörungen und Selbsthass (um nur einige zu nennen) sind lebenslange Folgen sexuellen Missbrauchs. Diese Kinder wachsen mit Scham auf, denn ihnen wird nicht geglaubt oder zugehört. Nicht einmal wenn sie den Fall bei der Kirche melden. Auf sie wird eingeredet, dass sie völlig übertreiben würden oder dass sie die Situation total missverstanden hätten.

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Einfach still weiterbeten?!

Die Nonnen, die gemeinsam mit dem Pfarrer arbeiteten, die Priester, die zu Besuch kamen und auch die anderen Kinder, die missbraucht wurden. Alle wussten Bescheid und dennoch schwiegen sie. Warum? Die Ehrfurcht vor den Geistlichen und Gott ist so groß, dass sie Menschen verstummen lässt. Jahrelang.

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Priester hin oder her – es sind sexuelle Serientäter, die durch dieses parallele Rechtssystem schwer zur Rechenschaft gezogen werden können. Was wir dagegen tun können? Also: Beten hilft vermutlich nicht.

(Symbolbild) Photo credit: Flickr// Jim, the Photographer // Archconfraternity of Saint Stephen Enrollment