Er sieht gut aus und wenn er lächelt, sehe ich mein Spiegelbild in seinen weißen Zähnen. Sein Charme ist süß und klebrig wie Honig, doch wenn er anfängt zu reden, zerplatzt die Blubberblase aus heißen Gedanken zum bevorstehenden Koitus – denn der Typ ist dumm… und ich komme erst ab einem IQ von mindestens 130 (*Hochbegabt*) in Stimmung. Wieso? Ich bin ein Nymphobrainiac!

giphy (3)Kellerkinder, Nerds, Geeks und Streber aufgepasst – dieser Trend wird euch ein glückliches Grinsen ins Gesicht zaubern, denn immer mehr Menschen bezeichnen sich selbst als sapiosexuell. Bedeutet: Intelligenz > Aussehen. Schiefe Zähne, Hornbrille, Bierpizzapommesbäuchlein und Co. rücken in weite Ferne, denn alles was für Sapiosexuelle zählt, ist das Gehirn. Und wie es arbeitet. Denn je schlauer, desto sexier. Doch woher kommt dieser Trend – und wie schlau muss man wirklich sein?

Dumm f*ckt gut? Uns doch egal.

Das Wort „Sapiosexuell“ hat sich ganz leise und irgendwie hinterrücks in unsere Gedanken geschlichen. Und wir behaupten: Wenn du schon länger in einer Beziehung steckst und dich nicht auf Datingportalen wie Lovoo, Tinder und eDarling mit fremden Liebeshungrigen unterhältst, wirst du das Wort wahrscheinlich zum ersten Mal lesen. Denn genau dort geben einige Singles im Beschreibungstext an, sie seien sapiosexuell. (Was ich mich dabei frage: Fliege ich schon aus dem Attraktivitätsraster, wenn ich das Wort erst googlen muss ODER macht mich das Googlen und die damit verbundene Lernfähigkeit nicht auch zu einem potenziellen Kandidaten? Um Antwort wird gebeten!). Diese Mädchen und Jungs geben dir also klar zu verstehen: Dein Aussehen ist mir nicht so wichtig, wenn du dafür ein menschlicher Hochleistungscomputer bist. Zusammengesetzt ist Sapiosexualität nämlich aus den Worten sapere (lat. wissen) und Sexualität (von lat. sexus, Geschlecht). Die absolute Steigerung dieses (nennen wir es vorsichtig) Trends ist by the way Nymphobrainiac.

Nymphobrainiac – ja, das Wort liest sich gut.

csycUnd irgendwie wollen wir doch alle sapiosexuell sein, oder nicht? „Die innere Schönheit zählt!“ und „Ich lege Wert auf Intelligenz!“, wollen wir sagen. Und es auch so meinen. Und Oberflächlichkeit? Verachtenswert. Und weil wir selbst so k-l-u-k sind, wollen wir uns auch nur mit (anderen) Brains umgeben. Und mit ihnen nackt sein. Weil uns Dumme gar nicht (mehr) antörnen, egal wie hart ihr Sixpack, wie seidig ihre Haut und wie traumhaft ihr Lächeln ist. Aber gut, sooooo super hässlich darf das gebildete Objekt der Begierde jetzt auch nicht sein. Also… es muss schon passen und so. Ihr wisst, was ich meine.

Bist du KLUK genug für mich?

Ob es Menschen gibt, die wirklich nur angeturnt werden, wenn ihnen ein Superbrain gegenüberliegt, ist bisher unerforscht – und somit fraglich. Sexualforscher erklären den „Ich-f*cke-nur-Schlaue*-Trend mit der Überlegung, dass Intelligenz als eine interessante Perspektive zu sehen ist und Attraktivität eh vom Gehirn gesteuert wird. Eine Studie fand außerdem heraus, dass der IQ eines Mannes mit der Qualität seines Spermas korreliert. Je klüger also der Boy, desto gesünder ist auch sein Liebessamen. Gut zu wissen. Aber: Beweisen kann mir keiner was, deshalb bezeichne ich mich weiterhin als Nymphobrainiac und suche bei Tinder nach anderen Sapiosexuellen. Aber nur den hübschen, versteht sich.