Liebevolle Mutter, fürsorgliche Nachbarin, freundliche Nachbarin – Leonarda Cianciulli wusste, wie man Menschen täuscht. Und wie man mordet und dann die Leichen auf bestialische Weise verschwinden lässt…

http://sites.psu.edu/sierrasspace/2015/09/27/leonarda-cianciulli/

Leonarda Cianciulli, Quelle: http://sites.psu.edu/sierrasspace/2015/09/27/leonarda-cianciulli/

Eigentlich war alles ganz normal. So, wie es das immer ist, bei solchen Fällen. Die beiden Freundinnen Leonarda und Faustina saßen zusammen, tranken Wein und plauderten. Nur, dass der Wein vergiftet war. Und dass aus Leonardas Mund nur gut durchdachte Lügen flossen. Zum Beispiel, dass ein Mann in einer anderen Stadt Faustina gerne kennenlernen würde. Und das sie deshalb, bevor sie die Stadt verlässt, mit Postkarten ihre Verwandten beruhigen solle. Faustina tat, was Leonarda wollte. Als Analphabetin war sie dabei auf die Hilfe ihrer zukünftigen Mörderin angewiesen. Zusätzlich legte sie den Postkarten noch ein – zu Gunsten von Leonarda -geändertes Testament bei. Und unterschrieb damit ihr Todesurteil. Leonarda Cianciulli zerrte Faustina in einen Wandschrank und tötete sie mit einer Axt. Dann zerteilte sie die Leiche in neun Teile und fing das Blut in einem Behälter auf.

 

„Ich warf die Stücke in einen Topf und fügte sieben Kilogramm Ätznatron hinzu, die ich gekauft hatte, um Seife zu machen. Anschließend rührte ich, bis ich eine dunkle, dickflüssige Masse hatte, die ich in mehrere Eimer verteilte, den Rest leerte ich in eine Jauchegrube. Ich wartete, bis das Blut geronnen war, dann trocknete ich es im Ofen, mahlte es und vermischte es anschließend mit Mehl, Zucker, Schokolade, Milch, Eiern und ein bisschen Margarine. Daraus machte ich jede Menge knusprige Kekse, die ich an meine Gäste und Besucher verteilte, aber Giuseppe (Anm. d. Red. ihr Sohn) und ich haben auch davon gegessen.“
– Auszug aus dem Buch, das Leonarda Cianciulli im Gefängnis schrieb.

Opfer Nummer 2 war die Lehrerin Francesca Soavi, der Leonarda eine Stelle an einer Mädchenschule versprach. Die Vorgehensweise bei dem zweiten Mord ähnelte der ersten: Leonarda überzeugte das Opfer, Postkarten über die neusten Entwicklungen in ihrem Leben an ihre Freunde und Verwandten zu senden. Dann, am 5. September 1940 vergiftete sie auch Francesca mit Wein und tötete sie mit einer Axt. Und es gab wieder einen neuen Vorrat an Seife. Und Keksen.

Das waren mal Menschen... | Bash Magazine

Photo credit: pictalogue via VisualHunt / CC BY-NC

So süß, so duftend, so unmenschlich – Leonarda Cianciulli verwandelte ihre Opfer in Seife. Und in Kekse.

Das dritte und letzte Opfer der italienischen Mörderin Leonarda Cianciulli war die ehemalige Sopransängerin Virginia Cacioppo. Auch dieses Mal spann Leonarda ein Netz aus Lügen über eine mögliche Stelle bei einem Theateragenten in Florenz. Nur 25 Tage nach ihrem letzten Mord tötete die Italienerin wieder auf die gleiche Weise wie zuvor.

„Sie endete im Topf, wie die anderen zwei auch (…), aber ihr Fleisch war fett und weiß: Als ich alles aufgelöst hatte, fügte ich eine Flasche Parfum hinzu und kochte sie lange Zeit, bis ich eine sehr cremige Seife erhalten hatte. Ich verteilte Seifenstücke als Geschenk an Nachbarn und Bekannten. Auch die Süßigkeiten gelangen besser: diese Frau war wirklich süß.“

Wie konnte die Seifenmacherin von Correggio gefasst werden?

Die Schwester des dritten Opfers machte sich Sorgen und meldete Virginia Cacioppo als vermisst. Die Spur führte zum letzten Wohnsitz der Verstorbenen, nach Correggio, wo auch die Mörderin lebte. Auch die anderen Opfer waren bereits als vermisst gemeldet worden und der Polizei fiel auf, dass Leonarda größere Geldbeträge von den Vermissten erhalten hatte. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Polizisten schließlich den Schmuck des letzten Opfers und Leonarda wurde verhaftet. Nach einem umfassenden Geständnis wurde die Seifenmacherin von Correggio als unzurechnungsfähig erklärt und zu 30 Jahren Gefängnis und drei Jahren in einer Pflegestätte für geistig Behinderte verurteilt. Nach 24 Jahren in Gefangenschaft starb Leonarda im Alter von 77 Jahren an einem Schlaganfall.

Die Opfer | Bash Magazine

Die drei Opfer der Seifenmörderin: Quelle: http://www.pasionlatinamontreal.com/crimenes-que-han-dejado-huella/index_htm_files/7991.jpg

Leonardas Leben, bevor sie zur Mörderin wurde: Ein Drama in drei Akten.

Leonarda wurde in Italien geboren und hatte immer ein schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter. Ihr Vater starb bereits früh und ihre Mutter heiratete wieder – was die Situation noch weiter verschlechterte. In jungen Jahren versuchte sie bereits zwei Mal sich das Leben zu nehmen. Der Kontakt zur Familie brach komplett ab, als Leonarda im Alter von 21 Jahren den Landvermesser Raffaele Pansardi heiratete. Nach einem schlimmen Erdbeben, wo sie ihr Haus verlor, zog sie 1930 mit ihrem Mann nach Correggio, wo sie einen kleinen Bekleidungsladen eröffnete und sich außerdem etwas Geld als Wahrsagerin und Heiratsvermittlerin verdiente. In der Liebe lief es nicht besonders rosig: Raffaele war zu dieser Zeit arbeitslos und entwickelte sich zu einem Alkoholiker, den sie aus der gemeinsamen Wohnung warf. Er verschwand spurlos. Der einzige Lichtblick in ihrem schweren Leben waren ihre Kinder – aber auch da hatte sie es nicht leicht. Leonarda war 17 Mal schwanger, erlitt drei Fehlgeburten und zehn ihrer Kinder starben. Nur vier ihrer Kinder überlebten – und wurden von ihrer Mutter heiß und innig geliebt. Um diese zu schützen, wurde sie zur Mörderin, denn sie dachte, sie könne mit „Opfergaben“ das Unheil von ihren Kindern abwenden.