Wenn die Dunkelheit kommt, kommen auch die fremden Männer. Naeem muss nichts weiter tun, als an der Straßenecke zu stehen und zu warten. “Komm mit mir ins Hotel”, “Ich werde es dir ordentlich besorgen”, “Möchtest du Heroin? Ich habe hier welches, wenn du mir folgst”, sind die Standardsätze, die Naeem zu hören bekommt. Wenn ihm jemand Drogen als Bezahlung bietet, wird er hellhörig. Denn wenn das Heroin seine Gefühle betäubt, schmerzen die Vergewaltigungen nicht so sehr. Dann lässt er den Freier mehrfach ran, zweimal, dreimal – hauptsache, er verdient ein bisschen Geld. Naeem ist 13 Jahre alt und einer von Pakistans Straßenjungen. Fast alle von ihnen kennen den Alltag aus Drogen, Prostitution und Vergewaltigungen. Es ist selbstverständlich. Alles darüber liest du jetzt.

Mit 8 Jahren verkaufte er das erste Mal seinen Körper

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Naeems Geschichte ist eine von vielen. Traurigen. Sehr traurigen. Seine Eltern starben, sein Bruder schlug ihn, er rannte davon und prostituiert sich seitdem, um über die Runden zu kommen.

“Das erste Mal hatte ich seit drei Tagen nichts gegessen und war verzweifelt. Danach habe ich stundenlang geweint. Damals war ich acht.”
– Naeem, 13

So wie ihm geht es Millionen von Straßenkindern in Pakistan. Die Jungen sind Freiwild. Wenn ein Fremder Sex mit ihnen will, haben sie Glück, wenn sie danach ein paar Rupien für ihre “Dienste” bekommen.

Gruppenvergewaltigungen hinter bunten Bustüren

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Die reich verzierten, grellbunten Buss prägen das Straßenbild von Pakistans Hauptstadt Peshawar. Doch wenn die Dämmerung hereinbricht, werden die Fahrzeuge zu Folterkammern für die Straßenjungen. Denn hinter verschlossenen Türen finden nicht selten Massenvergewaltigungen statt, bei denen sich gleich mehrere Männer über ein einziges Kind hermachen.

Die Männer sprechen offen darüber; es ist für sie vollkommen selbstverständlich. “Wir hatten auf einmal alle Bock darauf”, rechtfertigt ein Mechaniker eine solche Gewaltorgie, “und außerdem war er eh ‘dieser Typ’ Junge.”

‘Dieser Typ’ Junge meint: Waise, obdach- und hilflos.

95% der LKW- und Busfahrer hatten schon Sex mit kleinen Jungen

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Die Straßenjungen sind beliebte Begleiter auf langen Fahrten. Sie kosten nichts und können den Fahrern zur Hand gehen – auf die eine oder die andere Weise. Und sie sind leicht anzulocken: Die Fahrer bieten ihnen Essen, Drogen und ein Dach über dem Kopf. Wenn das nichts bringt, kidnappen sie die Straßenjungen und zwingen sie ins Auto. Oft verschwinden die Kinder für immer, ohne, dass es jemandem auffällt. Schätzungen gehen davon aus, dass einer von zehn Jungen ermordet wird.

Frauen? Spielen dank der strikten Geschlechtertrennung keine Rolle

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Wie kann es sein, dass gewaltsame, homosexuelle Handlungen in einem strengreligiösen Land wie Pakistan so alltäglich sind? Denn die Zahlen sind unfassbar erschreckend: Hilfsorganisationen berichten, dass bis zu 90% der Jungen, die auf der Straße leben, direkt in ihrer ersten Nacht Opfer von sexuellem Missbrauch werden. Und aus den Opfern von einst, auch das zeigen Studien, werden Jahre später selbst Täter.

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Befragungen legen nahe, dass die Männer deswegen so selbstverständlich auf kleine Jungen fixiert sind, weil die Geschlechtertrennung in Pakistans Gesellschaft so streng ist. Frauen gelten als “Dinge, die man im Haus behält.” Aber einen kleinen Straßenjungen, den niemand vermisst? Der fällt nicht auf. Und niemand wird sich an ihn erinnern.

 

Titelbild (Symbolfoto): Photo credit: norbakshi world via VisualHunt / CC BY-SA