Lautes Männergelächter. Der Lautenspieler macht Musik in der Ecke und singt. Er singt über Liebeskummer und unerwiderte Liebe. Inmitten der Männer ist ein kleiner Junge. Er trägt Damenkleider, ist geschminkt und hat Bänder mit Glöckchen um seine kleinen dünnen Handgelenke. Er tanzt, er rekelt sich, er unterhält die Männer. Sein Besitzer hat ihn mitgebracht, um mit ihm bei seinen Freunden anzugeben. Wenn der kleine Junge Glück hat, muss er später nur seinen Besitzer sexuell befriedigen und wird nicht die ganze Nacht rumgereicht. Das Leben dieses Jungen klingt wie ein böser Albtraum, aber leider ist das die bittere Realität. In Afghanistan ist das Halten von Tanzknaben eine sehr alte Tradition, die auch nicht geheim gehalten wird. Wie es zu dieser schrecklichen Tradition kam und warum es so schwer ist diese zu unterbinden, lest ihr jetzt.

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Tanz um deinen Leben

„Baccha Bazi“ bedeutet so viel wie Tanzknabe. In Afghanistan werden Jungen zwischen elf und 16 Jahren als Tanzknaben von Knabenspieler, den sogenannten „Bach Baz“, gehalten. Viele von ihnen werden gekauft oder einfach entführt. Die Tanzknaben dienen alleine dem Vergnügen ihres Herrn. Sie tanzen in Damenkleider und sind geschminkt. Warum nicht gleich Mädchen? Weil Mädchen in der Gesellschaft als weniger wertvoll betrachtet werden.

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Flucht? Unmöglich…

Doch beim Tanzen alleine bleibt es nicht. Sie werden zu besonderen Anlässen mitgenommen, damit die Knabenspielen mit ihren Tanzknaben prahlen können. Je schöner der Junge aussieht und tanzt, desto höher sein Ansehen. Häufig werden Jungen nachts weitergereicht, um die Gäste des Knabenspielers sexuell zu befriedigen. Fluchtversuche enden für die Jungen häufig tödlich.

„Das hat NICHTS mit Homosexualität zu tun!“

Früher war es Brauch, dass man den Vater des Jungen um Erlaubnis bitten musste, seinem Sohn beim Tanzen zuzuschauen. Doch als der Krieg ausbrach, wurden die Jungen einfach entführt und in Kriegslagen gebracht, um dort die Stimmung der Soldaten zu erhellen. Bis heute werden Tanzknaben als beliebter Zeitvertreib betrachtet. Obwohl die Jungen mit den Männern Sex haben, wird dies nicht als Homosexualität angesehen, da es „lediglich“ um Spaß und Vergnügen geht.

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Wenn der Bart wächst…

Es ist Brauch, dass nur Jungen zwischen elf und 16 Jahren als Tanzknaben gehalten werden. Aber was passiert, wenn sie älter werden? Sobald der Bart anfängt zu wachsen, werden die Jungen schnell verheiratet, damit man sie loswird. Sie werden mit älteren Frauen verheiratet, die in der Gesellschaft nicht anerkannt werden, weil sie beispielsweise keine Jungfrauen mehr sind. Diese Jungen sind ihr ganzes Leben gezeichnet und schämen sich so sehr, dass sie oft flüchten müssen.

„Warum hilft uns denn keiner…?!“

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Obwohl es kein Geheimnis ist und diese mehr als verachtende Tradition öffentlich verübt wird, ist es schwierig dem ein Ende zu setzen. Denn unter den Befürwortern der tanzenden Knaben befinden sich viele einflussreiche Männer. Es sind Männer in der Politik, der Wirtschaft und auch der staatlichen Sicherheit. Es ist grundsätzlich schwer sich von Traditionen zu lösen, aber wenn die Gegenwehr einflussreich und mächtig ist, scheint es fast aussichtslos.

Nichtsdestotrotz lässt der UN Kinderschutz nichts unversucht und fordert Afghanistan immer wieder auf, mehr Sicherheitskräfte zu schaffen, um den Kindermissbrauch endlich zu stoppen.

 

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