Er wirft Amila 300 indische Rupien hin und geht. Das sind umgerechnet knapp vier Euro für zwei Stunden Sex. Zuzüglich der Abgaben an die Tempelpriester. Da bleibt am Ende nicht viel übrig. Eigentlich ist Amila keine Prostituierte, sondern eine Devadasi, eine Tempeldienerin. Mit drei Jahren wurde sie von ihren Eltern geopfert und so mit einer Göttin verheiratet. Seitdem sie elf ist, wird sie zum Sex mit Tempelpriestern oder Tempelbesuchern gedrängt und führt das Leben einer Prostituierten. Obwohl das Devadasi-System schon lange verboten ist, wird es trotzdem fortgeführt: Warum viele Mädchen und Frauen immer noch leiden müssen und wieso selbst Frauenrechtlerinnen die Hoffnung langsam aufgeben, erfahrt ihr jetzt.

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Damals verehrt, heute verhöhnt

Eigentlich waren Devadasis junge gebildete Frauen, die sogar eine tänzerische Ausbildung hatten. Es stimmte aber auch, dass sie hin und wieder Affären mit angesehenen Tempelpriestern oder wichtigen Menschen der Gesellschaft hatten. Doch heutzutage unterscheidet sich eine Devadasi nicht von einer Hure. Nach der Gottesopferung werden einige Mädchen sogar für 1.300 Euro als Sexsklavin versteigert.

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Für Glück und Segen? Von wegen!

Eltern opfern ihre Mädchen der Göttin Yellamma in der Hoffnung so Glück und Segen für ihre Familie zu erhalten. Das behaupten sie zumindest. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass diese Eltern ihre Mädchen auf Grund der hohen Mitgift einfach loswerden wollen. Sie wissen, was sie ihren Mädchen mit der Opferung antun – aber es scheint ihnen vollkommen egal zu sein.

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Unterirdische Geschäfte

Obwohl das Devadasi-System seit fast 30 Jahren (!) verboten ist, läuft das System einfach unterirdisch weiter. Es scheint ein lukratives Geschäft zu sein. Zumindest für die Puffmuttis, Priester und Dorfältesten, die einen großen monetären Anteil für sich beanspruchen. Es kommen bis zu zehn Freier täglich – pro Freier verdienen die Devadasis gerade mal 90 Cent. Auf dem Land verdienen sie sogar noch weniger und müssen umgerechnet mit gerade mal 16 Euro im Monat auskommen.

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Keine Chance

Mit 10.000 Rupien (160 Euro) versuchte der Staat, die Männer dazu zu bringen, Devadasis zu heiraten und ihnen so einen Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. Aber dieser Versuch scheiterte bitter. Huren heiraten will dann doch keiner.

„Welcher Mann hat schon Lust, eine Hure mit ein paar unehelichen Kindern zu heiraten?“

Auch NGOs geben langsam die Hoffnung auf. Denn auch sie versuchten mit vielen Rehabilisierungsprogammen die Frauen vom Stich zurück in handwerkliche Berufe zu führen. Doch alles ohne Erfolg. Entweder weil die Devadasi als Prostituierte mehr verdienen und sonst bettelarm sind oder weil sie wirklich daran glauben, so den Göttern zu dienen.

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Ein Leid von vielen

So traurig das Schicksal der Devadasis auch sein mag, die Regierung Indiens muss sich mit vielen Problemen auseinandersetzen. Hungersnöte und Armut sind allgegenwärtig. Daher ist das Schicksal der Devadasis ein Leid von vielen. Nichtsdestotrotz darf es deswegen niemals ignoriert und vergessen werden!

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