Die Männer in den weißen Roben packen sich einen Säugling nach dem anderen. Sie greifen die Kinder an Händen und Füßen, halten sie über den Abgrund und schütteln sie kräftig durch. Dann lassen sie die Babys vom zehn Meter hohen Balkon in die Menschenmasse stürzen, bevor der freie Fall abrupt auf einem aufgespannten Laken endet. Die Säuglinge sind sichtlich verstört. Sie schreien und weinen, ihre Augen sind vor Schock weit aufgerissen. Unglaublich: Die Eltern fiebern dem llebensgefährlichen Sturz ihrer Kinder schon seit der Geburt entgegen. In Karnataka (Indien) ist der Babywurf nämlich eine uralte Tradition. Was genau hinter dem fragwürdigen Ritual steckt und wieso es trotz Verbot (!) bis heute praktiziert wird, liest du hier!

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Trauma im Säuglingsalter

Nach der Landung werden die mit Tränen überströmten Kinder durch die versammelte Menschenmenge gereicht. Erst danach dürfen sie endlich zurück zu ihren Eltern. In einigen Staaten im Süden Indiens versprechen sich die Eltern von diesem makaberen Ritual Abhärtung und Stärke für ihre Babys. Dass es die Säuglinge traumatisiert zurücklässt und ihnen erhebliche Schäden zufügen kann, ist ihnen dabei egal.

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„Das härtet ab!“

Sowohl Eltern mit muslimischem als auch hinduistischem Glauben wollen, dass ihre Kinder den freien Fall aus zehn Metern Höhe durchleben. Den Sturz unbeschadet zu überstehen, gilt als gutes Omen für ein langes, gesundes und rechtschaffendes Leben. Dabei ist das umstrittene Ritual seit 2010 offiziell verboten.

Tradition vs. Kindswohl

Die fast 700 Jahre alte Tradition, die ihre Wurzeln in der indischen Folklore hat, wird unerbittlich fortgeführt. Versteckt in kleinen Dörfern werden Säuglinge noch immer aus gefährlichen Höhen fallen gelassen, bevor sie älter als zwei Monate sind. Ihr verzweifeltes Schreien wird ignoriert und das Ausüben einer unnötigen Tradition über das Wohl der eigenen Kinder gestellt. Traurig.

Quellenverzeichnis:
galileo.tv
nytimes.com
dailymail.co.uk

Titelbild: Symbolfoto: Photo by MarkDoliner on Visual hunt /  CC BY-SA