Der kleine Marco sehnte sich den Schlaf herbei. Denn Schlaf war der einzige Weg, dem Horror des Kinderheims für ein paar Stunden zu entfliehen. Doch der Gestank in dem trostlosen Zimmer, das er sich mit 12 weiteren Kindern teilte, war zu groß. Das Flehen und Wimmern der anderen zu laut. Zwischen ihnen wimmelte es von Ratten und Kakerlaken. Wer nicht auf dem Boden schlafen musste, lag auf einer schmutzigen Matratze. Durchtränkt mit Unrat, übersät mit Flöhen und Zecken. Marco versuchte nicht zu weinen. Denn sonst drohten ihm Schläge. Wie ihm ging es Hunderten weiteren Mädchen und Jungen im Horror-Kinderheim von Zamora. Warum so viele Kinder in menschenunwürdigen Verhältnissen leben mussten und ob dem unglaublichen Schrecken ein Ende gemacht werden konnte, erfährst du hier!

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Kinderheim Hölle

Zamora ist eine von Armut und Drogenhandel zersetzte Stadt im Herzen Mexikos. Seit Jahrzehnten nahm hier das Kinderheim La Gran Familia Waisen und Kinder aus armen Familien auf. Doch dort erwartete sie kein Zuhause, sondern die Hölle auf Erden. Hunderte verwahrloste Kinder lebten im Dreck, eingepfercht in kleine Zellen. Sie wurden verprügelt und sexuell missbraucht.

„Das Essen war meistens verdorben. Es stank und war von Schimmel überzogen.“

Die 79-jährige Leiterin “Mama” Rosa Verduzco führte das Heim wie eine Diktatorin. Wenn Heimkinder das Erwachsenenalter erreichten, wurden sie weiterhin eingesperrt. Vergewaltigungen durch ältere Gefangene standen auf der Tagesordnung. So wurden unzählige Mädchen schwanger und ihre Babys verhungerten zwischen Unrat und toten Tieren.

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Zum Betteln gezwungen, für Geld getötet

Um das riesige Heim zu finanzieren, wurden die Kinder zum Betteln gezwungen. Pervers genug. Doch zudem war das Horror-Heim Teil eines illegalen Organspende-Netzwerks. Dazu entführte die Heimleitung Kinder aus der Umgebung, tötete sie und verkaufte ihre Organe auf dem Schwarzmarkt. Wie krank ist das bitte?!

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Wie kann sowas passieren?!

In Mexiko werden soziale Einrichtungen häufig von Privatpersonen betrieben. So wurde Mama Rosas Kinderheim nicht von den Behörden überwacht. Erst, als einige Eltern vehement den Kontakt zu ihren Kindern im Heim einforderten, wurde die Staatsanwaltschaft aufmerksam. Viel zu spät. Bei einer Durchsuchung befreite die Polizei insgesamt 607(!) Kinder und Erwachsene. Damit ist das Horror-Heim Geschichte, doch hunderte von Kindern bleiben für den Rest ihres Lebens traumatisiert.

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