Fikres Albtraum begann nach der grausamen Totgeburt ihres Kindes. Eine Woche lang lag sie in den Wehen, irgendwo in einer Hütte in Äthiopien. Das Kind steckte im Geburtskanal fest, Fikres damals 14-jähriger Körper war einfach zu schmal. Das Baby starb in ihrem Bauch und musste Stück für Stück herausgeschnitten werden. Als Fikre ein paar Tage danach aufstand, lief ihr der Urin unkontrollierbar die Beine hinunter. Auch nach Wochen konnte sie ihre Notdurft nicht einhalten; Kleider, Haut, die ganze Hütte begann in der Wüstensonne zu stinken. Und die junge Frau wurde verstoßen. Ohne zu wissen, dass tausende Frauen in Afrika ihr Schicksal teilen: Sie leiden unter einer Geburtsfistel, die ihr Leben zur Hölle macht. Was es mit diesem unbekannten und doch so häufigen Leiden auf sich hat und warum es die Betroffenen zu Aussätzigen macht, lest ihr jetzt.

„Ich habe darüber nachgedacht, Gift zu trinken“


Photo credit: DFID – UK Department for International Development via VisualHunt / CC BY

Wenn Fikre heute ihre Leidensgeschichte erzählt, dann, um anderen Mädchen Mut zu machen, die in genau der gleichen Situation sind, wie sie damals. Und es sind viele. 100.000 Frauen allein in Äthiopien, so die vorsichtigen Schätzungen. Ihre Freundin Ayehu sitzt still neben Fikre, Tränen stehen ihr in den Augen. Zu ihren Füßen hat sich eine Pfütze aus Urin gebildet, den sie seit sechs Jahren nicht mehr einhalten kann, egal, wie sehr sie den Beckenboden anspannt.

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