Alles fing in der Pubertät an: Erst drückte sie nur ihre Pickel und Mitesser aus, dann fing sie an, natürliche Erhebungen der Haut auszuquetschen, bis sie geschwollen und blutig waren. Irgendwann konnte sie ihre Finger nicht mehr von den entstandenen Wunden lassen. Sobald sich Schorf bildete, kratzte sie ihn auf. Heute ist Julia Mitte 20 und pult jeden Tag zwanghaft an ihrer Haut herum. Fast überall hat sie Wunden und Entzündungen. Unter Psychologen ist ihre Obsession als Skin Picking bekannt und gilt offiziell als psychische Erkrankung. Was es genau mit dem Kratz-Zwang auf sich hat und wie sich betroffene helfen können, liest du jetzt!

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Schmerzhafter Zwang

Julia lässt erst von ihren Wunden ab, wenn sie sich entzünden, eitern und immer schmerzhafter werden. Ihr ganzer Körper ist mit kleinen Narben übersät. So hat sie ihr Zwang mehr und mehr entstellt. Ohne mehrere Schichten Make-Up geht sie längst nicht mehr aus dem Haus. Sie schämt sich für ihre Wunden und trägt ausschließlich lange Kleidung. Ihre Panik vor verurteilenden Blicken ist groß und ihr Sozialleben nachhaltig gestört.

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Mehr als nur ein Tick

Experten gehen davon aus, dass bis zu 5% der Bevölkerung Skin-Picker sein könnten. Doch selbst Hautärzten, die häufig auf Menschen mit übermäßig aufgekratzter Haut treffen, ist nicht bewusst, dass es sich dabei um eine ernst zu nehmende Krankheit handelt.

“Gewöhn’s dir doch einfach ab.”

Viele Ärzte und Angehörige gehen davon aus, dass man das Kratzen “einfach bleiben lassen” kann. Doch die Ursachen für zwanghaftes Reiben, Quetschen und Ziehen der Haut sitzen tief und sind häufig nur ein Symptom größerer psychischer Probleme.

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Leben ohne Kratzen

Wer die Finger nicht von Pickeln lassen kann, immer wieder Stunden lang vorm Spiegel steht und an Wunden herumkratzt, sollte darüber nachdenken, Hilfe aufzusuchen. Denn Skin Picking ist eng mit Ritzen verwandt. Unterbewusste Gefühle und die Befriedigung während der Selbstverletzung sind vergleichbar. Und wer die Störung ignoriert, läuft Gefahr der eigenen Psyche mehr und mehr zu schaden. Vielen Betroffenen hilft es, nicht alleine mit ihrem Problem zu sein. Der Austausch in Online Foren (Link) ist ein beliebter erster Schritt vor einer Therapie.

Quellenverzeichnis:
skin-picking.de
spiegel.de
apotheken-umschau.de

Titelbild: Photo by d e a r d i a r y on Visual hunt /  CC BY-NDSymbolfoto